Letztes Update am Sa, 03.06.2017 08:45

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Emotionale Bandbreite beim Eröffnungskonzert der Barocktage Melk



Melk (APA) - „Love knows no ending: Von Liebe und Untergang“: Das Motto der diesjährigen Internationalen Barocktage Stift Melk hat auch das Eröffnungskonzert im Kolomanisaal mit dem Concentus Musicus am Freitagabend geprägt. Arien, Duette und Instrumentales von Händel, Purcell, Vivaldi und Dowland gaben beredtes Zeugnis von der Bandbreite emotionaler Befindlichkeiten zwischen Euphorie und Trauer.

In diesem Sinne hielt auch die Psychoanalytikerin und evangelische Theologin Rotraut Perner in ihrer Festrede ein apodiktisches Plädoyer für die alles überdauernde Liebe als „Kraftquelle“, die nie verschwinde. Auch Trauer sei Energie, die wieder positiv rückgewandelt werden könne. Kritisch kommentierte Perner das von männlicher Sichtweise bestimmte Menschenbild Sigmund Freuds, der in Frauen bloß „reparaturbedürftige Hysterikerinnen“ gesehen habe.

Eine Sonnenfinsternis beschwor gleich zu Beginn die düstere Arie des Samson aus der gleichnamigen Händel-Oper. Barocktage-Intendant Michael Schade und die belgische Sopranistin Sophie Karthäuser erwiesen sich im weiteren Verlauf des Abends als kongeniale Vokalsolisten, ob bei Populärem wie den Händel-Arien „Lascia ch‘io pianga“ und „Lascia la spina“, Purcells ergreifendem „When I‘m laid in earth“ oder Dowlands hoffnungsvollem „Come again“. Bei solchen musikalischen Perlen nahm man auch die Treibhaustemperatur im Saal in Kauf.

Dass gerade in diesem inhaltlichen Kontext zwischen Verbundenheit und Verlust die Erinnerung an Nikolaus Harnoncourt im Raum schwebte, lag nahe. Stefan Gottfried leitet den Concentus Musicus präzise, mit Behutsamkeit, Umsicht und Eleganz. Es scheint bisweilen, als würden manch scharfe Kanten und Ecken geglättet, ohne dabei jedoch Kontur zu verlieren. Ein sachter Aufbruch kündigt sich an, die Reise geht weiter, und das ist tröstlich und gut.

Die Barocktage bringen noch bis Pfingstmontag reichlich Beiträge zum Thema, von Fantasien im Garten Eden mit Maddalena del Gobbo (Viola da gamba) über Lesungen zur „Entdeckung der Sinnlichkeit“, Monteverdis Messa a quattro voci e salmi in der Stiftskirche und ein nächtliches Concerto amoroso im Gartenpavillon bis zum Schlusskonzert „Ewiges Feuer, Ursprung der Liebe“, das wieder der Concentus Musicus bestreitet, diesmal mit Bach-Kantaten. Ein opulentes 236-seitiges Programmbuch enthält viel lesenswertes Begleitmaterial.

(S E R V I C E - Internationale Barocktage Stift Melk, bis 5. Juni, Tickets und Information: Tel. 02752/555 57 oder 0664/60 499 558, www.barocktagemelk.at)




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