Letztes Update am So, 04.06.2017 08:30

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Salzburger Pfingstfestspiele: „La Sylphide“ aus der Zeit getanzt



Salzburg (APA) - Nein, stilistische Experimente und Querverbindungen zur Gegenwart sind nicht die Sache des St. Petersburger Ballett des Mariinsky-Theaters. Das durfte man von dieser traditionsreichen Tanztruppe auch nicht erwarten. Bei den Salzburger Pfingstfestspielen präsentierten die Gäste aus Russland die Choreografie „La Sylphide“ so, wie sie ursprünglich wohl war: Als getanzte Inkarnation der Romantik.

„La Sylphide“ aus dem Jahr 1836 stammt von Choreograf August Bournonville (1805-1879) zum Ballett La Sylphide (1832) von Filippo Taglioni. Die Musik hat der heute weitgehend vergessene Herman Severin Løvenskiold (1815-1870) beigesteuert. Und der hat damit einen wesentlichen Teil beigetragen zum durchschlagenden Erfolg, der von Paris über Berlin die gesamte Tanzwelt erfasste. „La Sylphide“ ist ein dramaturgisch kompaktes, musikalisch mitreißendes und tänzerisch bahnbrechendes Dokument des romantischen Zeitgeistes. Eine natürlich tragisch endende Liebesgeschichte um einen Luftgeist, einen König, eine Hexe und ein gebrochenes Herz.

Spitzentanz in Spitzenqualität, dazu historische Kostüme, Schottenröcke, Elfen-Flügel und hässliche Lumpen in düsterem Märchenwald - Das Ballett des Mariinsky-Theaters zeigte das Stück genau so, wie es 1836 ausgeschaut haben könnte. Es wirkt wie aus der Zeit gefallen, fast wie eine folkloristische Attraktion zum Träumen für Tanz-Touristen.

Aber es gelingt der Truppe, jenen Zauber zu erzeugen, der aus künstlerisch wenig inspirierter Nostalgie ein Stück Vergangenheit zum Wohlfühlen macht. Man lässt sich hineinfallen in den Sog der an Kitsch grenzenden Romantik und genießt, weil alles andere verschwendete Liebesmüh wäre. Und dabei gibt es tatsächlich viel zu erleben.

Die rund 38 Tänzer und Tänzerinnen des Balletts agieren zwar nicht immer in kollektiv-makelloser Präzision, aber die stahlfederartig gespannte Leichtigkeit, mit der Olesya Novikova (Sylphide) oder Philipp Stepin (James) über die Bühnen im Großen Festspielhaus schweben, ist schon beeindruckend. Und Igor Kolb mit seinen krassen Verrenkungen als Hexe Madge trägt ebenso dazu bei, wie Valery Ovsyanikov am Pult des Salzburger Mozarteumorchesters, das ebenfalls handwerklich nicht immer perfekte, emotional aber intensiv klingende Romantik in guten, knackigen Tempi hervorbrachte.

(S E R V I C E - La Sylphide, Ballett in zwei Akten von August Bournonville nach dem Libretto von Adolphe Nourrit zum Ballett La Sylphide von Filippo Taglioni. Musik von Herman Severin Løvenskiold. Choreografie von August Bournonville in der Einrichtung von Elsa Marianne von Rosen. Valery Ovsyanikov, Musikalische Leitung, Vyacheslav Okunev, Bühne, Irina Press, Kostüme. Die Solisten Olesya Novikova al Sylphide, Philipp Stepin als James, Igor Kolb als Madge. Ballett des Mariinsky-Theaters, St. Petersburg. Es spielte das Mozarteumorchester Salzburg.)




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