Letztes Update am Mo, 05.06.2017 08:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Messerattacke in Vbg. Regionalzug - Prozess gegen Deutschen



Feldkirch (APA) - Wegen versuchten Mordes muss sich am Mittwoch ein Deutscher vor dem Landesgericht Feldkirch verantworten. Der 60-Jährige war im August 2016 mit einem Messer auf zwei Fahrgäste eines Vorarlberger Regionalzugs losgegangen und hatte ihnen lebensgefährliche Verletzungen zugefügt. Die Staatsanwaltschaft wird die Unterbringung des Mannes in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragen.

Die Attacke machte große Schlagzeilen - was auch damit zu tun hatte, dass wenige Tage zuvor in der benachbarten Schweiz bei einem Angriff eines 27-jährigen Mannes in einem Zug Personen ums Leben gekommen waren. Einen Monat davor hatte ein Mann ebenfalls in einer Regionalbahn bei einer islamistisch motivierten Tat bei Würzburg fünf Menschen mit einem Beil und einem Messer verletzt.

Dass die Attacke in Vorarlberg keinen terroristischen Hintergrund hatte, stellte sich schnell heraus. Der 60-Jährige wurde von der Polizei als „geistig verwirrt“ beschrieben, noch am Tag der Tat wurde sein Motiv publik: Er hatte sich durch die Handys der ihm gegenübersitzenden Fahrgäste bedroht gefühlt. Wie die nachfolgenden Ermittlungen ergaben, bildete sich der 60-Jährige ein, von Neonazis verfolgt zu werden, die ihm nach dem Leben trachten. Demzufolge stach er als Erster zu, was er im Zug angeblich mit dem Ausruf „Jetzt wisst ihr, wie es in Deutschland und Österreich zugeht, Scheiß Nazis!“ kommentierte.

Der Obdachlose ging in einem Frühzug von Bludenz nach Bregenz unmittelbar vor dem Halt in Sulz-Röthis (Bez. Feldkirch) mit einem Outdoormesser mit rund elf Zentimeter langer Klinge auf die ihm gegenübersitzenden jungen Männer im Alter von 19 und 17 Jahren los. Dem 19-Jährigen fügte er zwei wuchtige Stiche in den Bauch und in den Rücken zu. In weiterer Folge versetzte er dem 17-jährigen Fahrgast eine 16 Zentimeter lange, klaffende Schnittwunde am Hals. Einen weiteren Passagier bedrohte er mit vorgehaltenem Messer mit dem „Abstechen“. Da der Lokführer noch während der Fahrt die Einsatzkräfte alarmiert hatte, wurde der 60-Jährige unmittelbar nach der Einfahrt des Zugs in die Haltestelle von zwei Polizisten festgenommen.

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Dem gerichtspsychiatrischen Gutachten zufolge hat der Angeklagte die Taten unter dem Einfluss einer paranoiden Schizophrenie begangen. Es sei deshalb nicht zurechnungsfähig gewesen. In Deutschland befand sich der Mann schon mehrfach in Krankenhäusern in psychiatrischer Behandlung.

Der Prozess im Schwurgerichtssaal des Landesgerichts Feldkirch ist von 9.00 bis 17.00 Uhr anberaumt. Vorsitzender Richter ist Günther Höllwarth.




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