Letztes Update am Mo, 05.06.2017 07:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Peter Marboe wird 75: Kulturmensch und kultivierter Mensch



Wien (APA) - Ungeachtet seiner langen Karriere gab es eine Position, die für Peter Marboe den Gipfel der persönlichen Karriereträume darstellte: Den Posten des Wiener Kulturstadtrats, den der ÖVP-Kulturpolitiker fünf Jahre bekleidete. Als er 2001 nach dem Verlust der ÖVP-Regierungsbeteiligung an Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) übergeben musste, sprach er von einem der „herrlichsten Jobs, die es überhaupt gibt“.

Vor gut zehn Jahren, 2006, stand Marboe dann nochmals als Intendant des Wiener Mozartjahres im Rampenlicht der Kulturöffentlichkeit. Seither ist es ruhig um den Kulturmenschen geworden, der am Donnerstag (8. Juni) seinen 75. Geburtstag feiert. Sich verstärkt dem Privatleben zu widmen sei allerdings alles andere denn ein bedauernswerter Zustand, hatte Marboe einst im APA-Gespräch mit einem Shaw-Zitat versichert: „Getrieben zu werden ist die Hölle, selbst zu steuern ist der Himmel.“

Mit seiner Bestellung zum Mozartjahr-Intendanten 2003 war Marboe ganz offiziell aus der Politik ausgeschieden, legte er damit doch auch seine Funktion als Stadtrat ohne Portefeuille zurück, die er seit dem Ende der rot-schwarzen Regierung in Wien innehatte. Dabei war das politische Engagement über Jahrzehnte scheinbar untrennbarer Begleiter von Marboe gewesen, auch wenn er dabei stets die Betonung auf die Kultur legte. „Mehr Kultur in die Politik, weniger Politik in die Kultur“, hatte sich der damalige Leiter der Auslandskultur 1996 als Motto gewählt, als er Ursula Pasterks (SPÖ) Nachfolger im Wiener Kulturressort wurde.

Seine ersten Sporen im politischen Feld verdiente sich der am 8. Juni 1942 in Wien geborene Sohn des späteren Leiters der Bundestheaterverwaltung, Ernst Marboe, ab 1969 als Sekretär von Bundeskanzler Josef Klaus (ÖVP). Zuvor war er nach seiner Matura 1960 am Schottengymnasium und einem Jusstudium in die Kulturabteilung des Bundespressedienstes eingetreten. Die Parteikarriere führte ihn schließlich 1987 bis 1991 bis zum Hauptgeschäftsführer der Volkspartei. Dafür holte ihn Bundesparteiobmann Alois Mock eigens aus New York zurück.

Dort hatte Marboe für ihn entscheidende Jahre verbracht: Zunächst als Konsul und Presseattache, dann ab 1975 als Direktor des Österreichischen Presse- und Informationsdienstes und von 1984 bis 1987 als Leiter des Österreichischen Kulturinstituts. In den USA baute er umfangreiche Kontakte zu österreichischen Emigranten auf, deren Würdigung später auch ein zentrales Anliegen als Kulturstadtrat in Wien wurde.

Für Irritationen sorgte Marboe dann allerdings bei seiner Rückkehr, als er führendes Mitglied im Management des Waldheim-Wahlkampfes wurde. Diese innenpolitische Episode blieb jedoch zunächst eine solche, denn den aufstrebenden Politiker zog es ins Außenministerium. Dort wurde er Leiter der kulturpolitischen Sektion und konnte den spektakulären Neubau des österreichischen Kulturinstitutes in New York auf Schiene stellen. „Peter Marboe war der Retter des Projekts“, versicherte der mittlerweile verstorbene Architekt Raimund Abraham: „Ohne ihn gäbe es diesen Neubau nicht.“

Als 1996 die Wiener ÖVP schließlich einen Kulturstadtrat suchte, fand sich auch Marboes mittlerweile verstorbener Bruder Ernst Wolfram im Kreis der Kandidaten. Die Wahl fiel jedoch auf Peter, und die heftigen Künstlerproteste, die sich gegen die Aufgabe des Ressorts durch die SPÖ erhoben hatten, verstummten bald. Einen „Liberalen mit katholisch-bürgerlichem Hintergrund, ein fast altösterreichischer Patriot“, nannte ihn der Kommentator Hans Rauscher durchaus anerkennend.

Marboes Amtszeit war in Folge geprägt vom Bestreben, nach allen Seiten Gesprächsbereitschaft zu beweisen und mit seinem trainierten diplomatischen Geschick, Lösungen zu suchen. So kann sich Marboe neben der Errichtung des Judenplatz-Mahnmals, der Installierung von Dreijahresverträgen bei Subventionsempfängern und dem Nestroy-Preis vor allem die Wiederaufnahme des Kontakts mit den Emigranten auf seine Fahnen heften. Im Gegenzug blieb manche unpopuläre Entscheidung ungefällt.

Kaum war seine Laufbahn als Stadtrat zu Ende, stand mit der Bestellung zum Mozartjahr-Intendanten jedoch bereits die nächste an. Zum 250. Geburtstag des Komponisten wurde ganz Wien unter das Jubiläumsmotto gestellt: Vom City-Marathon über Lehrlingsprojekte bis zum Festival „New Crowned Hope“ erstreckte sich der Veranstaltungsreigen. Sichtbarste Erinnerung an diese Zeit ist heute das Mozarthaus in der Domgasse als Kultstätte.

Nach dieser Zeit zog sich Marboe, der 2008 mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen Wiens gewürdigt wurde, vornehmlich ins Privatleben zurück. Mit politischen Kommentaren und Ratschlägen zur Zeit hielt sich Marboe seither im Gegensatz zu manchem Zeit- und Parteigenossen zurück, was er nach seinem Abschied als bewusste Entscheidung ankündigte: „Was ich sicher nicht will, ist eine Ratgeberposition aus der Loge heraus.“

(B I L D A V I S O - Fotos von Peter Marboe sind im AOM abrufbar.)




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