Letztes Update am Mo, 05.06.2017 08:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Aserbaidschan sieht sich als wichtiger Akteur im Kaukasus



Wien/Stepanakert (APA) - Das öl- und gasreiche Aserbaidschan betrachtet sich als wichtiger Player in der Kaukasus-Region. Eng sind die Bande zur ethnisch und religiös verwandten Türkei. Die Beziehungen zum „pragmatisch“ agierenden Iran sind intakt. Das in der Jelzin-Ära schlechte Verhältnis zu Russland kam nach dem Waffenstillstand im Nagorny-Karabach-Konflikt wieder ins Lot. Dank seiner Ressourcen ist Aserbaidschan ein weithin attraktiver Wirtschaftspartner.

„Aserbaidschan ist das größte Land dieser Region, hinsichtlich Bevölkerung, Staatsgebiet und Wirtschaftskraft“, umreißt Bakus Botschafter in Österreich, Galib Israfilov, das Umfeld. Sein Land pflege ein weit gespanntes Netzwerk, sagt der Diplomat im APA-Gespräch und verweist auf die Öl- und Gasexporte. Baku unterhalte gute Beziehungen zu Russland und zum Iran sowie vielen Staaten Europas. Der post-sowjetische Staat mit großer Muslim-Bevölkerung leiste „einen Beitrag zur Sicherheit“. Israfilov fügt hinzu: „Der einzige Ballast ist der Konflikt mit Armenien.“

In der Türkei sieht Aserbaidschan einen wichtigen Verbündeten. Mit der Grenzschließung zu Armenien 1993 im Zuge des Karabach-Konflikts habe Ankara „nach der illegalen Besetzung den größten Schritt gesetzt“, erinnert der Diplomat. Der Rest der Welt habe das Vorgehen Armeniens verurteilt, aber keine Sanktionen ergriffen. Israfilov zieht einen Vergleich zur Krim-Besetzung durch Russland, die US- und EU-Sanktionen nach sich zogen. Auch bei den Lösungsbemühungen im Karabach-Konflikt sei die Türkei, Mitglied der Minsk-Gruppe, „ein Schlüsselfaktor“. Ankara habe viele Vorschläge eingebracht, die aber alle von Jerewan abgelehnt wurden.

Als regionaler Akteur „handelt der Iran nach seinen politischen Interessen“, definiert der Diplomat das Verhältnis Teherans zu Baku. „Pragmatisch“ gingen die iranischen Nachbarn auch bei Waffenlieferungen vor und unterhielten Handelsbeziehungen zu Armenien. Im Verhältnis Baku-Teheran spiele der religiöse Faktor keine Rolle, „obwohl beide Völker mehrheitlich Schiiten sind“. Eine gute Kooperation pflege man auch in der Islamischen Konferenz-Organisation (ICO), wo der Iran Resolutionen gegen Armenien mitverabschiedet habe.

Russland habe zu Beginn der 90er-Jahre „kein fair play“ gespielt, so der Botschafter. Doch in der Minsk-Gruppe der OSZE sei Moskau als Karabach-Mediator sehr aktiv geworden und habe auch den Waffenstillstand ausverhandelt, der das Blutvergießen beendete. Aserbaidschan habe sich rasch vom Krieg erholt und die politische Stabilität wieder hergestellt. Israfilov: „Putin besuchte als erstes russisches Staatsoberhaupt nach Zar Peter dem Großen Baku.“ Freilich: Moskau liefert heute Waffen an Aserbaidschan und Armenien. „Baku ist ein sehr großer Kunde Russlands. Denn Europa verkauft uns keine Waffen.“

Politisch und ökonomisch sei Aserbaidschan auf einem guten Weg, resümiert der Botschafter. Er verweist auf die Mitwirkung an der NATO-Partnerschaft ebenso wie auf 21 umfangreiche Abkommen mit den größten Ölfirmen der Welt und in Verbindung damit bedeutende Investitionen in der kaspischen Region.

Die Lage in der Region sei freilich nicht einfach. „Wir sind von schwierigen Nachbarn umgeben.“ Es gelte, die Probleme zu identifizieren und dann gezielt zu helfen, meint der aserbaidschanische Botschafter mit Blick auf die OSZE und die Probleme in der post-sowjetischen Zeit. „Ohne Sicherheit und Stabilität können die Grundrechte nicht gedeihen.“ Oft gehe es nicht ohne starke politische Führer. Auf dem Weg zur Demokratie bedürfe es eines entsprechenden Umfeldes und einer Balance.




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