Letztes Update am Mo, 05.06.2017 10:36

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Internationale Pressestimmen zum Terroranschlag in London



London (APA/dpa) - Internationale Tageszeitungen kommentierten am Montag den Terroranschlag in London.

„The Washington Post“:

„Die stoische Entschlossenheit und Anständigkeit des britischen Volkes und seiner Anführer war in den Stunden nach dem jüngsten schrecklichen Terroranschlag voll sichtbar. (...) Die Zivilisation wird nicht durch drei oder dreihundert Mörder aus Großbritannien vertrieben werden. Während dessen - und es schmerzt mich, dies zu schreiben - reagierte unser Präsident mit dem Senden seiner Serie von Tweets wie ein Trampel, ein herzloser, begriffsstutziger Rowdy. (...)

Der Londoner Anschlag bringt das Beste aus den britischen und westlichen Führern auf dem europäischen Kontinent zum Vorschein. Und er holt das Schlechteste aus Trump und seinen Anhängern heraus. Die ersteren schützen die Seele der westlichen Zivilisation. Die letzteren stoßen einen Pfahl durch die belebenden Ideen, die Amerika so besonders machen.“

„The Guardian“ (London):

„Nach den mörderischen Angriffen ist Theresa Mays ‚Jetzt reicht‘s‘-Rede ein Versuch, Großbritanniens Politik dramatisch neu zu gestalten, um den Terrorismus auszubremsen. Am deutlichsten wurde sie hinsichtlich der Überwachung von Gedanken statt nur von Taten. Das ist eine schlechte Idee. Sie beruht auf einer Strategie der Bekämpfung von Ideologien statt einer, die gegen den Terrorismus gerichtet ist. Damit werden Menschen für Meinungen bestraft und es wird eine Form von Gedankenverbrechen erschaffen. Ein solcher Schritt würde dahin führen, dass Großbritannien den Kampf gegen den Terrorismus in einem juristischen Minenfeld von Glaubenslehren und Frömmigkeit verliert. May will uns glauben machen, dass wir mit einer Bedrohung durch Lehren konfrontiert sind, die Gewalt zwar nicht unterstützen, aber irgendwie zu Terrorakten mutieren könnten. Das Fazit ihrer Rede ist, dass eine nicht gewalttätige Person, die anti-britische, extremistische Gedanken hegt - welche vermutlich durch ein künftiges Parlament noch zu definieren sind - auf eine schwarze Liste gesetzt und kriminalisiert werden könnte.“

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„Times“ (London):

„Wir müssen uns nun darauf besinnen, dass es einen direkten Zusammenhang gibt zwischen einer Wahl und dem Wunsch, sich ungehindert in den Straßen zu bewegen. Demokratie ist sowohl eine Kultur, als auch eine Ansammlung von Institutionen und Zeitereignissen. Eine demokratische Lebensweise verbindet friedlichen Machtwechsel mit der Freiheit, sich im Rahmen der Gesetze zusammenzuschließen.

London ist keine irreale Stadt. Es ist eine trotzige Stadt, die größeren Herausforderungen gegenüberstand als einer mit Messern bewaffneten Gruppe von Wahnsinnigen in einem weißen Lieferwagen. Deshalb gilt es, zwei Botschaften nach den Gräueltaten auf der London Bridge und vor dem Hintergrund der bevorstehenden Wahl auszusenden. Erstens: Ruhe bewahren. Wählen gehen. Und zweitens: Nach der Wahl muss sich die neue Regierung um das Grundprinzip der Staatsgewalt kümmern - die Sicherheit der Nation.“

„The Telegraph“ (London):

„Premierministerin Theresa May hat für das gesamte Land gesprochen, als sie erklärte: ‚Jetzt reicht‘s‘. Wir können nicht in einem Staat leben, in dem alle paar Wochen Anschläge verübt werden. Das islamistische Krebsgeschwür in unserer Gesellschaft muss jetzt mit eiserner Faust bekämpft werden.

Diese Anschläge fallen zeitlich mit dem Wahlkampf für die Parlamentswahlen zusammen, wenngleich unklar ist, ob dies so zielgerichtet geplant wurde, denn die Verdächtigen wurden getötet. Möglicherweise folgten sie Aufrufen belagerter Jihadisten zu Anschlägen während des für Muslime heiligen Monats Ramadan, der am 26. Mai begann. Es ist bezeichnend dafür, wie sehr Extremisten ihre Religion pervertiert haben, dass sie ihren höchsten feierlichen Anlass mit Morden begehen.“




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