Letztes Update am Mo, 05.06.2017 10:39

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Internationale Pressestimmen zum Terroranschlag in London 2



London (APA/dpa) - „El Pais“ (Madrid):

„Der unvorstellbare Nihilismus und die Verachtung für alles zivilisierte Leben, die der jihadistische Terrorismus praktiziert, offenbaren, dass sein Projekt komplett gescheitert ist. Sein einziges Ziel ist es, uns dafür bezahlen zu lassen, dass wir genau das aufgedeckt haben: Dass es sich nämlich um eine Ideologie handelt, die überall auf dem Planeten den Tod von Unschuldigen feiert, egal welcher Rasse oder Religion sie angehören, egal ob in Kabul oder London - und die sich genau aus diesem Grund niemals durchsetzen wird. Nach der Angst und der Wut, zwei völlig legitimen Gefühlen, besinnen wir uns auf unsere besten Werte: moralische Überlegenheit, Einheit, Effizienz der Polizei und internationale Zusammenarbeit.“

„Le Figaro“ (Paris):

„Ganz Europa muss sich endlich bewusst werden, dass die Gefahr in seinem Innern ist, und in der Konsequenz reagieren. Die Aufgabe ist schwierig, da die Völker des Alten Kontinents psychologisch schlecht gerüstet sind, um einen Krieg zu führen. (...) Die große Schlacht gegen den Terrorismus braucht einen erbarmungslosen Kampf. (...). Im Innern muss der Kampf (...) im Internet beginnen. Es ist der erste Überträger von Massenmorden. Auch auf die Gefahr hin alle Juristen zu kränken, die der Ansicht sind, dass individuelle Freiheiten die kollektive Sicherheit überragen. Es gibt zwischen beiden einen goldenen Mittelweg, die Härte der Zeiten rechtfertigt ihn.“

„Pravda“ (Bratislava):

„Es ist kein Geheimnis, dass solche Anschläge gewöhnlich dem populistischen, fremdenfeindlichen und nationalistischen Teil der Rechten helfen. Dem Teil, der den Wählern stets mehr Sicherheit verspricht und mit seiner Politik dann in Wirklichkeit den Fanatikern des anderen Ufers die Anwerbung neuer Rekruten erleichtert. Dieser Teil der Rechten spielt diesmal im Team von (Premierministerin Theresa) May.“

„Adevarul“ (Bukarest):

„Wie lange noch werden die Staaten der westlichen Welt, vor allem Großbritannien, im Namen der politischen Korrektheit das Offensichtliche bestreiten: Dass es nämlich nicht mehr nur um isolierte Angriffe von Irren geht, deren Geist von den Botschaften des Großen Jihad verwirrt ist, sondern um eine konsequente und groß angelegte Kampagne zur fundamentalen Veränderung in den Gesellschaften der ‚Ungläubigen‘. Dabei wird der Terror als Auslöser eines moralischen Auflösungsprozesses benutzt. Sie (die Terroristen) erzwingen die Herrschaft der Angst, des Misstrauens zu den Behörden und das Fehlen eines minimalen Sicherheitsgefühls.“

„Lidove noviny“ (Prag):

„Es ist tragisch, wie große Zivilisationen, die über die ausgefeiltesten Technologien verfügen, machtlos gegenüber den primitivsten Angriffen sind. Wir können Messer und Autos nicht verbieten. Zudem beobachten wir seit dem Jahr 2005 und den Selbstmordanschlägen in London eine neue Entwicklung: Überwiegend greifen nicht Ausländer an, sondern Jungs aus der Nachbarschaft, die in die britische Kultur hineingeboren und in ihr aufgewachsen sind.

Meist sind es nicht einmal tiefgläubige Koranstudenten, sondern frustrierte Kleinkriminelle, die bis vor kurzem Drogen verkauften. Für die Bewohner von London, Paris oder Brüssel ist diese Feststellung extrem frustrierend. Denn wir kennen bisher kaum Wege und Mittel, um Anschläge heimischer Terroristen zu verhindern.“

„Rzeczpospolita“ (Warschau):

„Unmittelbares Ziel der brutalen Angriffe in London, Berlin oder Paris ist der Versuch, unser Wertesystem umzustürzen. Sie treffen eine Welt, in der Platz für Menschenrechte, individuelle Freiheit, Solidarität und Gutmütigkeit ist. Platz für Empathie und Unterstützung der Kriegsopfer aus Aleppo und Darfur, Wohlwollen und Aufgeschlossenheit gegenüber anderen. Das dürfen wir nicht zulassen. Wir sollten uns vor der falschen Perspektive schützen, dass Isolation und Vergeltung der Gemeinschaften, aus denen die Attentäter kommen, uns erlösen. Es wird das Verlangen nach Rache nur steigern und darum geht es ihnen (den Terroristen). (...)

Wir dürfen im Kampf um das, was uns wichtig ist, nicht nachgeben. Die aus der christlichen Weltanschauung stammende Wahrung der Menschenrechte, menschlicher Würde und den Humanitarismus. Dafür müssen wird auch mit uns selbst kämpfen, unserer Angst, unseren Vorurteilen und Schwächen. Denn dieser Logik folgend sind Flüchtlinge, die Kriegsopfer, keine Bedrohung, sondern eine von der Geschichte auferlegte Pflicht.“




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