Letztes Update am Mo, 05.06.2017 11:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Anleger blicken bei Rekordjagd auf britische Wahl



Frankfurt am Main/Frankfurt/London (APA/Reuters) - Politische Großereignisse werden Anleger auch in der neuen Woche auf Trab halten. In Großbritannien muss Premierministerin Theresa May bei der Wahl am Donnerstag um ihre Mehrheit im Unterhaus bangen. Außerdem warten Investoren gespannt auf den Konjunkturausblick der Europäischen Zentralbank (EZB).

Umfragen zufolge ist der einst deutliche Vorsprung von Mays Tories kräftig geschrumpft. Einige Demoskopen prognostizieren sogar einen Verlust der absoluten Mehrheit am 8. Juni. „Der Ausgang der Wahl hat großen Einfluss auf das Ergebnis der Brexit-Verhandlungen“, betont Rabobank-Volkswirt Stefan Koopman. Sollten die Konservativen auf die Unterstützung anderer Parteien angewiesen sein, werde ein „sanfter Brexit“ wahrscheinlicher, bei dem Großbritannien nach einem EU-Austritt den Zugang zum europäischen Binnenmarkt behält. Ein „Exit vom Brexit“ sei aber selbst dann nicht in Sicht, wenn die oppositionellen Liberaldemokraten und die Labour-Partei eine Koalition bildeten.

Vor diesem Hintergrund schwankte der Kurs des Pfund Sterling in den vergangenen Tagen heftig - abhängig von den jeweiligen Umfrage-Ergebnissen. Am Freitag kostete die Währung 1,2882 Dollar. Gleichzeitig erreichten die Wetten auf einen erneuten Kurssturz des Pfund den höchsten Stand seit fast acht Monaten.

Der DAX kletterte am Freitag zwischenzeitlich auf ein Rekordhoch von 12.850,96 Punkten und schloss mit 12.822 Zählern 1,25 Prozent im Plus. Auf Wochensicht legte er 1,8 Prozent zu und erzielte damit den siebenten Wochengewinn in Folge. Das ist die längste Serie seit viereinhalb Jahren. Motor dieser Entwicklung ist der wachsende Konjunkturoptimismus, der Börsianern zufolge in der neuen Woche Bestand haben wird. „Es tut sich etwas in Europa“, betont Volkswirtin Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Sie rechne mit einem Wachstum von zwei Prozent in diesem und 1,6 Prozent im kommenden Jahr. „Damit liegt die Eurozone fast gleichauf mit der US-Wirtschaft.“

Trotz eines enttäuschenden Arbeitsmarktberichts konnte die Wall Street am Freitag weitere Rekordstände erklimmen. Zuletzt zogen vor allem Technologiewerte kräftig an. Seit Jahresanfang verbuchte der Techsektor des S&P-500 einen Anstieg um rund 20 Prozent, angeführt durch Kursgewinne von Apple, der Google-Mutter Alphabet, Facebook und Microsoft. Anleger sehen die Fahnenstange noch nicht erreicht: „Man wird weiter Geld in diese Namen fließen sehen“, sagte Daniel Morgan, Portfoliomanager bei Synovus Trust in Atlanta.

Im Fokus der Anleger werden in der kommenden Woche auch die Beratungen der EZB stehen, die sich um die verbesserten Aussichten für die heimische Wirtschaft drehen dürften. „Die EZB wird auf ihrer Sitzung am kommenden Donnerstag voraussichtlich einen weiteren Trippelschritt hin zu einer Beendigung der Anleihekäufe tun, indem sie die Wachstumsrisiken wohl erstmals seit langem als ausgeglichen beschreiben wird“, urteilt Jörg Krämer, Chef-Volkswirt der Commerzbank. „Bei der Sitzung im September dürfte sie dann in Aussicht stellen, die Anleihenkäufe von Jänner 2018 an herunterzufahren.“ Aktuell pumpt die EZB zur Ankurbelung der Konjunktur 60 Mrd. Euro monatlich in die Finanzmärkte.

Eine Bestätigung ihres Konjunkturoptimismus erhoffen sich Börsianer von den anstehenden Wirtschaftsdaten. Den Anfang macht das Barometer für die Stimmung der deutschen Einkaufsmanager am Pfingstmontag, an dem die Börse in Deutschland und Österreich geschlossen bleibt. Am Mittwoch folgen die Auftragseingänge und am Donnerstag die Industrieproduktion. Aus der Eurozone stehen die Einzelhandelsumsätze (Dienstag) und das Wirtschaftswachstum (Mittwoch) auf der Agenda. In den USA werden unter anderem die Auftragseingänge für langlebige Güter (Montag) veröffentlicht.

Von Unternehmen erwarten Experten kaum kursrelevante Nachrichten. Mit Spannung blicken sie allerdings auf die Hauptversammlung von Uniper am Donnerstag. Sie erhoffen sich Informationen zur Zukunft des Versorgers, den Spekulationen auf eine Übernahme durch den finnischen Konkurrenten Fortum in der alten Woche auf ein Rekordhoch von 18,30 Euro getrieben hatten. Dem Uniper-Großaktionär E.ON verhalfen die Fusionsfantasien zum größten Wochengewinn seit drei Monaten.

~ WEB http://www.ecb.int ~ APA089 2017-06-05/10:59




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