Letztes Update am Mo, 05.06.2017 11:09

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


London-Terror - Anschlag mitten im britischen Wahlkampf



London (APA/dpa) - Nicht einmal eine Woche vor der Parlamentswahl ist Großbritannien wieder von einem Terroranschlag getroffen worden. Wenige Stunden nach der Attacke mit mindestens sieben Toten meldete sich Premierministerin Theresa May zu Wort. „Jetzt reicht‘s!“, sagte sie energisch. Im Kampf gegen Islamisten kündigte sie eine härtere Gangart an. Bei der Terrorbekämpfung müsse sich etwas ändern.

Die konservative Regierungschefin legte sogleich einen Plan vor. Er sieht etwa längere Haftstrafen für Terrorverdächtige, eine stärkere Überwachung des Internets und weniger Toleranz für extremistische Strömungen im Land vor. „Wir müssen viel stärker daran arbeiten, ihn zu erkennen und ihn aus dem öffentlichen Dienst und der Gesellschaft auszurotten.“ Auch militärisches Eingreifen gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien und im Irak sei nötig.

Es ist Wahlkampf in Großbritannien. Die Auseinandersetzungen zwischen den Parteien sind laut, auch beim Thema Terrorbekämpfung. May will mit der vorgezogenen Wahl am Donnerstag die Mehrheit der Konservativen im Parlament ausbauen und so auch mehr Rückendeckung für die Brexit-Verhandlungen bekommen. Die starten schon in zwei Wochen.

Anfangs schien ihr der Sieg schon sicher. Mehr als 20 Prozentpunkte lagen die Konservativen vor der Labour Party von Jeremy Corbyn. Dann das böse Erwachen: Der Abstand schrumpfte auf wenige Prozentpunkte zusammen. May machte taktische Fehler. So boykottierte sie gemeinsame TV-Duelle mit Corbyn und löste einen Streit um Pflegekosten aus. Die starke Politikerin nach einem Terroranschlag zu präsentieren, das könnte von innenpolitischen Problemen ablenken.

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Ohnehin haben die Briten - wie Umfragen zeigen - viel mehr Vertrauen zu May als zum Altlinken Corbyn, geht es um das Amt des Premiers. Die 60-Jährige unterstreicht das mit ihrem Wahlkampf-Mantra „strong and stable“ - stark und stabil soll Großbritannien unter ihrer Führung sein.

Allerdings darf man nicht vergessen: May war zuvor sechs Jahre lang Innenministerin und hatte in dieser Zeit dem Polizeiapparat gewaltig die Flügel gestutzt, um Kosten zu sparen. Corbyn verspricht in seinem Wahlprogramm hingegen, gleich 10.000 Polizisten mehr einzustellen. Das Thema dürfte im Schlussspurt des Wahlkampfs an Fahrt aufnehmen.

In Großbritannien gibt es nach Angaben von Experten eine relativ große islamistische Szene. Birmingham und Manchester gelten als Brennpunkte, aber auch Viertel in London. Eine Studie der britischen Denkfabrik „The Henry Jackson Society“ zeigte, dass viele Verbrechen mit islamistischem Hintergrund von Tätern begangen werden, die im Königreich geboren sind oder eine doppelte Staatsbürgerschaft haben.

Briten gelten als ruhig und beherrscht, auch in Extremsituationen wie Terroranschlägen. Aber gleich drei Angriffe in drei Monaten, und fünf weitere wurden laut May im selben Zeitraum vereitelt. Solche Zahlen dürften manchen in Großbritannien dann doch aus der Fassung bringen.




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