Letztes Update am Mo, 05.06.2017 12:36

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Herwig van Staa wird 75: Der Unvollendete



Innsbruck (APA) - Landeshauptmann, Innsbrucker Bürgermeister: Nie zuvor hatte ein Nicht-Tiroler eine derartige politische Karriere im „Heiligen Land“ hingelegt wie der Oberösterreicher Herwig van Staa. Der Schwiegersohn Eduard Wallnöfers regierte Tirol von 2002 bis 2008. Eine Ära vermochte der oftmals polternde Intellektuelle nicht zu begründen. Er blieb ein Unvollendeter. Am 10. Juni wird er 75 Jahre alt.

„Ich glaube, wenn ich nicht der Schwiegersohn vom Wallnöfer gewesen wäre, wäre ich nie Landeshauptmann geworden“, gab Van Staa im Gespräch mit der APA anlässlich seines 75. Geburtstages unumwunden zu. „Es hat aber sicher auch einige gegeben, die gemeint haben, wenn der Wallnöfer so jemanden akzeptiert, einen ‚Zuagroasten mit holländischem Namen‘, dann kann der nicht ein ganzer Trottel sein“, so der heutige Landtagspräsident im Blick zurück.

Dass er ein Spätstarter in der politischen Arena war, hing auch mit dem Schwiegervater und legendären Landeshauptmann zusammen. Der Patriarch wollte nicht, dass ein weiteres Familienmitglied in der „hohen Politik“ zugegen war und damit der Eindruck der „Packelei“ entstehe. Damals habe er es anders gesehen, aber aus jetziger Sicht halte er diese Ansicht für richtig, so Van Staa. 1989, im Todesjahr des Langzeitlandeshauptmannes Wallnöfer, trat Van Staa erstmals in der breiten Öffentlichkeit politisch in Erscheinung und wurde auf der Stadtparteiliste der ÖVP in den Gemeinderat gewählt. Nach wiederholter heftiger Kritik an der Stadtparteiführung wurde er 1993 aus dem ÖVP-Gemeindeklub ausgeschlossen. Van Staa holte zum Gegenschlag aus, gründete die Liste „Für Innsbruck“ und überholte mit dieser bei der anschließenden Gemeinderatswahl die ÖVP unter dem kürzlich verstorbenen Bürgermeister Romuald Niescher, wurde zur zweistärksten Fraktion. Dann die Krönung: Er wurde Bürgermeister und blieb dies bis 2002.

Er galt als umtriebiger und entscheidungsfreudiger Bürgermeister. Sichtlich stolz zeigt er sich denn auch noch heute im Rückblick: „Es war eine Umbruchsituation. Es bestand die Notwendigkeit, die Stadt zu entschulden - und gleichzeitig zu reformieren und zu investieren. Das ist gelungen“. Schließlich habe er eine schuldenfreie Landeshauptstadt „mit einem Überschuss“ übergeben können. „Und das ohne Einschränkung der Daseinsvorsorge“, betonte Van Staa.

Dann der Sprung auf die landespolitische Bühne. Der Mann, der in Innsbruck mit einer Liste gegen die Volkspartei antrat, wurde im Oktober 2001 zum Landesparteiobmann gewählt. Sein Gegner in der Kampfabstimmung am Parteitag: Der jetzige Landeshauptmann Günther Platter. Die Volkspartei befand sich zu der Zeit in einer innerparteilichen Krise, Ferdinand Eberle hatte im Zuge der Auseinandersetzung um die Zukunft der Hypo Tirol-Landesbank den Parteivorsitz zurückgelegt. Der Landeshauptmann hieß noch bis 2002 Wendelin Weingartner, ehe ihn Van Staa beerbte und am Höhepunkt seiner Karriere angelangt war.

Dabei habe er ursprünglich gar nicht Landeshauptmann werden wollen, so Van Staa. Von Anfang an hatte er eine Bürde mit sich herumzutragen - jene einer „nicht homogenen Partei“. Zwar gelang es ihm, bei der Landtagswahl 2003 die 1999 verlorene absolute Mandatsmehrheit der Volkspartei im Landtag zurückzuerobern. 49,89 Prozent der Stimmen erreichte die ÖVP - für manche Parteifreunde zu wenig.

Bei der Wahl 2008 dann aber die Ernüchterung, der Tiefschlag. Die ÖVP verlor mehr als neun Prozent, landete nur mehr bei knapp über 40 Prozent. Den Hauptanteil daran hatte sein schärfster Kritiker aus den eigenen Reihen, Fritz Dinkhauser, der mit seiner Gruppierung Liste Fritz - Bürgerforum Tirol und dem Agrargemeinschafts-Thema „im Rücken“ mit über 18 Prozent einen Überraschungserfolg feierte und die ÖVP die absolute Mehrheit kostete. „In meinem ganzen Leben ist mir kein unanständigerer Mensch untergekommen als Dinkhauser“, spielte Van Staa auf diverse „persönliche Angriffe“ gegen ihn und seine Familie an.

Van Staas Zeit war abgelaufen, nach den Regierungsverhandlungen mit der SPÖ „übernahm“ Günther Platter. „Ich hätte noch drei, vier Jahre gebraucht, um die Ergebnisse meiner Politik sichtbar zu machen“, meinte Van Staa. Es sei aber vieles gelungen - vom Brennerbasistunnel (BBT) über die Einrichtung der Pflegeheime sowie der Gesundheits- und Sozialsprengel bis hin zu den Grundlagen für die Europaregion Tirol. „Ich war aber wahrscheinlich manchmal zu ungeduldig, wollte viele Dinge zu rasch erledigen“, erklärte er auf Vorhalte, er sei unter anderem zu wenig auf Kritiker zugegangen, selbstkritisch. Van Staa packte an und setzte um, der populäre Landesvater wurde er aber nie.

2008 wurde er Landtagspräsident, ist bis heute umtriebig wie eh und je - vor allem auch auf europäischer Ebene, etwa im Ausschuss der Regionen. Nach der kommenden Landtagswahl will er der aktiven Politik Ade sagen, „mandatslos“ sein. Die bisherige Lebensbilanz zum „75er“? „Ich bin dankbar und zufrieden“, so Van Staa.

Van Staa wurde am 10. Juni 1942 in Linz geboren und wuchs in Bad Leonfelden auf. Nach der Matura zog er 1960 nach Innsbruck, wo er Rechtswissenschaften, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie Volkskunde und Soziologie studierte. Der Doppeldoktor (Dr. iur., Dr. phil.) sowie Magister der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften wurde 1974 am Institut für Alpenländische Land- und Forstwirtschaft Assistent. 1980 ernannte man ihn dort zum Assistenzprofessor. Van Staa ist seit 1974 mit Luise Wallnöfer verheiratet. Er hat zwei erwachsene Kinder.




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