Letztes Update am Mo, 05.06.2017 16:00

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Leiterin der ukrainischen Bibliothek in Moskau verurteilt



Moskau (APA/Reuters) - Die Leiterin der staatlichen Ukrainischen Bibliothek in Moskau, Natalja Scharina, ist am Montag zu einer Bewährungsstrafe von vier Jahren verurteilt worden. In einem Verfahren wurde sie für schuldig befunden, antirussischen Hass verbreitet zu haben. Scharina selbst sprach von einem politischen Verfahren, das an die Stalin-Zeit 1937 und die damaligen politischen Prozesse erinnere.

Die 59-jährige Bibliotheksleiterin war im Oktober 2015 verhaftet worden, weil man ihr den Besitz antirussischer Propaganda vorgeworfen hatte. Scharina warf den Behörden vor, selbst das Beweismaterial bei den Durchsuchungen mitgebracht zu haben - was das Gericht verwarf. Ihr Anwalt Iwan Pawlow kündigte an, den Fall vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu bringen. Die Nichtregierungsorganisation Amnesty International sprach von einer „Verachtung des Rechts“. Das Urteil zeige die starke antiukrainische Atmosphäre, die derzeit in Russland herrsche.

Die Ukrainische Bibliothek in Moskau wurde 1918 gegründet und besaß 52.000 Bücher. Formal ist sie noch geöffnet, aber die Bücher wurden auf andere Bibliotheken verteilt.




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