Letztes Update am Di, 06.06.2017 08:36

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Internationale Pressestimmen zum Terroranschlag in London



London (APA/dpa) - Internationale Tageszeitungen kommentierten am Dienstag den Terroranschlag in London.

„De Telegraaf“ (Amsterdam):

„Diesen Krieg kann man nur mit Hilfe starker Geheimdienste gewinnen, die Terrornetzwerke unter Beobachtung halten und präventiv eingreifen. Doch ob die Planung (von Anschlägen) auf eigenem Boden erfolgt oder nicht, oft spielen grenzüberschreitende Verbindungen eine Rolle. Internationale Zusammenarbeit ist daher unabdinglich. Die Kritik von US-Präsident Donald Trump an Londons Bürgermeister Sadiq Khan, der erklärte, die erhöhte Polizeipräsenz sei kein Grund zur Panik, ist hier fehl am Platze. Der Kampf gegen den Terrorismus erfordert eine gemeinsame Front - und nicht das Austeilen via Twitter. Das ist nicht nur kontraproduktiv, sondern es ist auch eines Präsidenten unwürdig.“

„The Times“ (London):

„Terrorismus wird nicht nur am Schauplatz des Anschlags bekämpft. Er wird auch an den Grenzen bekämpft, wo Beamte sicherstellen sollen, dass potenziell verdächtige Personen erkannt und befragt werden. Er wird bekämpft, indem die Abschottung muslimischer Gemeinden verhindert und Vertrauen zwischen ihnen und den Behörden aufgebaut wird, so dass junge Menschen davon abgehalten werden können, eine Gefahr für sich selbst und andere zu werden, wenn sie erstmals vom Strudel der Radikalisierung erfasst werden. Terrorismus wird bekämpft, indem man soziale Medien davon abbringt, extremistische Propaganda zu verbreiten. Dazu muss der Zugang zu geheimdienstlichen Netzwerken wie Europol aufrecht erhalten werden. Und es muss online wie offline die Verbreitung von Geschichten unterstützt werden, mit denen die vergiftete Ideologie hinterfragt wird, die Gewaltakte wie jene am letzten Samstag (in London) hervorbringt. Im Kampf gegen den Terrorismus kann die Regierung auf viele Erfolge verweisen, Berichten zufolge wurden 18 Angriffe seit 2013 verhindert. Dennoch ist jeder neue Angriff ein Versagen. Es ist richtig, bessere Ergebnisse zu verlangen. Doch es ist falsch zu glauben, dass mehr Sicherheit lediglich mit ein paar Tausend mehr Polizisten erreichbar wäre.“

„Neue Zürcher Zeitung“:

„Gefragt sind mehr Polizeikräfte, insbesondere bewaffnete, doch die Kosten sind vom chronisch hochdefizitären Staatshaushalt nur schwer aufzubringen, egal, welche Partei in ein paar Tagen die Parlamentswahl gewinnt. Noch viel schwieriger ist (Premierministerin Theresa) Mays Forderung, die ideologischen Wurzeln des Terrors zu bekämpfen. Viel zu lange hat Großbritannien das starke Wachstum kultureller und sozialer Parallelgesellschaften im Lande toleriert, die sich der liberalen britischen Gesellschaft entziehen. Unter dem Schutzmantel der Redefreiheit säen islamistische Volksverführer weiterhin Hass und Gewalt. Härtere Maßnahmen gegen Tausende Gefährder und Ideologen werfen erneut die Frage auf, welche Kompromisse zwischen individuellen Freiheitsrechten und dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung akzeptiert werden.“




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