Letztes Update am Di, 06.06.2017 07:24

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Proteste gegen mögliche Freilassung von Mafia-Boss Toto Riina



Rom (APA) - Angehörige von Mafia-Opfern haben empört auf den Beschluss des Obersten Gerichts in Rom reagiert, wonach Mafia-Boss Toto Riina aus der Haft entlassen werden darf, weil er das „Recht auf einen würdevollen Tod“ habe. Der 86-jährige Mafioso, der seit 1993 eine lebenslange Haftstrafe absitzt, ist schwer krank.

„Mein Vater hatte kein Recht auf einen würdevollen Tod“, protestierte Rita Dalla Chiesa, Tochter des 1983 ermordeten Carabinieri-Generals, Carlo Alberto Dalla Chiesa. Sein Tod war von Riina beschlossen worden. Die Präsidentin der Anti-Mafia-Kommission im italienischen Parlament, Rosy Bindi, meinte, Riina könne bestens im Krankenhaus der Strafanstalt von Parma behandelt werden, wo er seine Haft absitzt.

Die Parlamentarierin Sonia Alfano, Tochter des 1993 von der Mafia ermordeten Journalisten Beppe Alfano, betonte, dass viele Mafiosi in Haft gestorben seien, obwohl sie für weit weniger Delikte als Riina verantwortlich gewesen seien. Der Gründer der Anti-Mafia-Organisation „Libera“, Luigi Ciotti, meinte, Riinas Recht auf Behandlung dürfe nicht dem Recht der Opferfamilien auf Gerechtigkeit entgegen stehen.

Das Oberste Gericht hatte am Montag einen Antrag der Verteidiger Riinas angenommen, ihren Mandanten wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustands unter Hausarrest zu stellen. Das Gericht in Bologna muss jetzt aufgrund des Beschlusses des Obersten Gerichts entscheiden, ob Riina freikommen kann, unter Hausarrest gestellt oder in ein Krankenhaus eingeliefert werden soll.

Riina war fast 20 Jahre lang einer der brutalsten und gefürchtetsten Paten der sizilianischen Mafia. Er wird für mehr als 150 Auftragsmorde verantwortlich gemacht und wurde rund 20 Mal zu lebenslanger Haft verurteilt. Er muss unter anderem eine Dauer-Videoüberwachung im Hochsicherheitsgefängnis von Parma erdulden.

Unter anderem wurde Riina schuldig befunden, in den Jahren 1992 und 1993 die Mordanschläge auf die Anti-Mafia Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino in Auftrag gegeben zu haben. Außerdem war er nach Überzeugung der italienischen Justiz einer der Drahtzieher von Anschlägen in Rom, Mailand und Florenz, bei denen 1993 zehn Menschen getötet wurden.




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