Letztes Update am Di, 06.06.2017 10:39

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Australische Polizei stuft Geiselnahme als Terrorattacke ein



Sydney (APA/AFP) - Nach der Geiselnahme in einem Vorort der australischen Metropole Melbourne geht die Polizei von einem terroristischem Hintergrund aus. Die Tat werde als „terroristischer Vorfall“ behandelt, sagte der Polizeichef des Bundesstaates Victoria, Graham Ashton, am Dienstag. Premierminister Malcom Turnbull sprach von einem „schockierenden und feigen Verbrechen“.

Die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat (IS) reklamierte die Geiselnahme für sich. Die Tat sei von einem „Soldaten“ des IS verübt worden, teilten die Extremisten über ihr Propagandasprachrohr Amaq mit. Ashton verwies darauf, dass es bisher keine Hinweise darauf gebe, dass der Täter Anweisungen von außen erhalten habe. Bei dem am Montagabend erschossenen Täter handelt es sich um einen 29-jährigen somalischstämmigen Vorbestraften, dessen Eltern als Flüchtlinge nach Australien gekommen seien.

Polizisten hatten am Montag den Mann erschossen, der in einer Wohnung eine Frau in seine Gewalt gebracht hatte. Medienberichten zufolge rief er einen Radiosender an und sagte: „Das ist für den IS, das ist für Al-Kaida.“ Die Polizei war laut Ashton wegen einer mutmaßlichen Explosion in das Gebäude in Brighton gerufen worden, die sich dann als Schuss herausstellte.

In der Lobby hätten die Beamten die Leiche des Rezeptionisten entdeckt, der mutmaßlich vom Geiselnehmer erschossen wurde. Dieser habe auf die ankommenden Polizisten gefeuert, dabei seien drei Beamte verletzt worden. Die festgehaltene Frau, bei der es sich laut Medienberichten um eine Prostituierte handeln soll, ist nach Angaben der Polizei wohlauf.

„Diese terroristische Attacke eines vorbestraften Kriminellen - eines Mannes, der erst kürzlich auf Bewährung freigekommen war - ist ein schockierendes und feiges Verbrechen“, sagte Premier Turnbull. Die Tat unterstreiche, dass Australien angesichts „des islamistischen Terrorismus“ wachsam sein müsse. Die australischen Behörden haben nach eigenen Angaben seit September 2014 zwölf Angriffe verhindert. Vier Anschläge konnten nicht vereitelt werden.

Der am Montag erschossene Mann war zuletzt wegen geplanter Brandstiftung im Gefängnis. 2010 war er von dem Vorwurf freigesprochen worden, 2009 an den Plänen für einen Anschlag auf einen Armeestützpunkt des Landes beteiligt gewesen zu sein. Drei Männer libanesischer und somalischer Abstammung waren dagegen verurteilt worden, einen „Terror-Akt“ auf die Holsworthy-Kasernen in Sydney verübt haben zu wollen.




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