Letztes Update am Di, 06.06.2017 10:48

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Scooter-Sharing in Berlin - E-Roller in Großstädten auf dem Vormarsch



Berlin (APA/dpa) - Elektro-Roller zum Mieten surren durch die deutsche Hauptstadt. Nach dem Carsharing, wie das Geschäftsmodell für Autos neudeutsch heißt, boomt jetzt auch das Roller- oder Scooter-Sharing - und nicht nur in Berlin. Die Kombination aus Elektrofahrzeug und Internet macht das Vermieten der kleinen Motorroller auch in anderen Großstädten für Betreiber und Kunden attraktiv.

Verschiedene Firmen liefern sich Konkurrenzkämpfe. Berlin dient dabei als eine Art Testgebiet. In der Innenstadt fahren die Roller von zwei Firmen. Das Start-up Emmy ist seit zwei Jahren dabei und vergrößerte seine orange Roller-Flotte kürzlich auf 350 Stück. In diesem Sommer sollen noch weitere Roller dazu kommen. Der Bosch-Konzern stieg 2016 mit seiner Tochterfirma Coup (gesprochen: Kuup) mit 200 Rollern des taiwanesischen Herstellers Gogoro ein; inzwischen sind es 800 Fahrzeuge, bald sollen es 1.000 sein, wie Sprecherin Julia Grothe sagt. Bosch folgt damit Firmen wie Daimler und BMW, die eigene Carsharing-Angebote betreiben.

Beide Firmen expandieren jetzt in andere Städte. Coup geht im Sommer nach Paris und stellt dort zunächst 600 Roller auf. Ob nächstes Jahr noch eine deutsche Stadt dazu kommt, werde geprüft. Emmy nahm am Pfingstwochenende in Hamburg den Betrieb auf. Eine weitere deutsche Großstadt soll demnächst folgen, kündigt Valerian Seither, einer der drei Firmengründer, an.

Die Akkus der Roller reichen für etwa 100 Kilometer, der Ladestand wird am Roller, auf der App und beim Betreiber angezeigt. Tankstellen oder längeres Aufladen auf Parkplätzen sind nicht nötig, die Betreiber tauschen in kurzen Abständen die leeren Akkus gegen volle.

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Die Roller dürfen 45 Stundenkilometer schnell fahren, alle bieten Automatik statt Schaltung und die Beschleunigung mancher Modelle an der Ampel lässt viele Autos zurück. Der Autoführerschein reicht, Beifahrer sind erlaubt, je nach Anbieter liegen ein oder zwei Helme in einer Box oder unter dem Sitz. Reservieren, Buchen, Aufschließen, Starten und Bezahlen - alles geschieht über die App.

Die steigende Beliebtheit der Mietroller - zumindest im Sommer - erklärt sich aus zwei Vorteilen im Vergleich zum Auto. Zum einen sind sie relativ billig: Coup kassiert für die erste halbe Stunde drei Euro, kaum mehr als eine U-Bahnfahrkarte. Danach kosten zehn Minuten einen Euro. Emmy nimmt für eine Minute 19 Cent. Zudem muss der Fahrer am Ziel keinen Parkplatz suchen.

Beim Thema Sicherheit sind die Roller natürlich nicht vorbildlich. Offene Jethelme, Jeans und Pullover bieten bei Unfällen nicht viel Schutz. Auch die Umweltbilanz ist weniger problemlos, als es die Vermieter mit dem Begriff „emissionsfrei“ behaupten. Zwar stoßen die Roller in den Innenstädten keine Abgase aus. Aber Strom wird in Deutschland zu zwei Dritteln aus Kohle, Gas und Atomenergie erzeugt. Roller statt Rad oder U-Bahn führt also zu mehr Umweltbelastung.




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