Letztes Update am Di, 06.06.2017 14:27

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski alpin: Neuer ÖSV-Abfahrtschef Brunner: „Bin kein Schleifer“



Going (APA) - Interview mit Josef „Sepp“ Brunner, der ab der Saison 2017/18 als Nachfolger von Florian Winkler neuer Cheftrainer von Österreichs Herren-Abfahrtsteam ist:

APA: Nach 20 erfolgreichen Jahren als Coach in der Schweiz übernehmen sie nun in Österreich das heikle Amt des Abfahrts-Chefs. Der ÖSV erwartet neue Impulse und natürlich Erfolge. Wie sehen sie die Situation?

Brunner: „Auch in der Schweiz ist die Abfahrt die Königsdisziplin. Ich weiß also, wie das ist. Das jetzt ist aber sicher die größte Herausforderung, die es im Skizirkus gibt. Denn das ist sicher die Mannschaft mit dem größten Potenzial. Es ist deshalb eine sehr interessante Herausforderung. Die Latte liegt sehr hoch. Aber das war mir bewusst und ich freue mich darauf. Sonst hätte ich das nicht gemacht.“

APA: Was muss passieren, dass Österreichs Abfahrer wieder mehr Siege einfahren?

Brunner: „In erster Linie müssen sie gesund bleiben. Man darf nie vergessen, wie viele Verletzungen wir in jüngster Zeit hatten. Wir haben hier in Österreich vom Verband her die besten Voraussetzungen. Aber in erster Linie muss die Mannschaft gesund blieben.“

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APA: Wie gehen sie an ihre neue Aufgabe heran?

Brunner: „Zunächst möchte ich einmal die Burschen kennenlernen, das braucht Zeit. Wir waren vor dem ersten Konditionskurs hier in Going beim Stanglwirt schon Ski fahren im Kaunertal. Ich war positiv überrascht, wie ehrgeizig die da zur Sache gingen. Ich hatte das Gefühl, dass man einige fast bremsen muss. Es ist vor allem wichtig, eine Dynamik zwischen Trainern, Serviceleuten und Athleten zu erzeugen. Damit sie sich gegenseitig pushen und an die Grenzen bringen.“

APA: Gibt es konkrete Ziele für ihr erstes Jahr als Abfahrtschef beim ÖSV?

Brunner: „Natürlich Siege und Medaillen. Dafür sind ich und die Trainercrew vermutlich da. Und wir wollen gut gerüstet zu Olympia kommen. Vor allem wollen wir aber erfolgreicher in die Saison starten als zuletzt.“

APA: Wie könnte Letzteres gelingen?

Brunner: „Bei uns wird es im Sommer auf den Gletschern immer schwieriger, gute Verhältnisse zu finden. Also werden wir nach Zermatt und Saas Fee gehen. Denn wir wollen im Herbst gut vorbereitet und mit mehr Selbstvertrauen zum US-Training nach Copper Mountain und Vail kommen und dann gleich bei den Rennen in Lake Louise und Beaver Creek voll da sein.“

APA: Ist es in einer Olympia-Saison besonders wichtig, früh Selbstvertrauen zu tanken?

Brunner: „Es ist enorm wichtig, einen guten Saisonstart zu haben. Denn dann ist einiges möglich, auch auf dem aggressivem Nordamerika-Schnee. Lake Louise etwa hat viele lang gezogene Kurven, hohes Tempo und ist nicht allzu steil. Das sind auch einige Elemente der Olympia-Abfahrt in Korea.“

APA: Sie waren in der Schweiz höchst erfolgreich. Dann folgte wegen angeblich illoyalem Verhalten eine abrupte, unerwartete Trennung, die selbst von Schweizer Medien als unverständlich kritisiert wurde. Wie fällt ihr Blick zurück aus?

Brunner: „Man ist immer für die Nation, für die man arbeitet, motiviert. Ich wünsche den Schweizern alles Gute. Es war natürlich ein bisschen unverständlich, wie das gelöst wurde. Im Nachhinein haben wir uns aber dann doch gut ausgesprochen. Jetzt habe ich eine neue Aufgabe, auf die ich mich freue.“

APA: Der ÖSV hat sich nun in kleineren Trainings-Gruppen organisiert, was heißt das für die Abfahrer?

Brunner: „Wir wollen die Haupttrainings eher mehr zusammen machen. Bei uns braucht es vor allem einen großen Personalstab. Abfahrt und Super-G ticken sicher etwas anders als Riesentorlauf und Slalom. Es ist viel mehr Aufwand, auch wegen der Sicherheit. Wir wollen zudem, dass sich die Jungs wieder mehr gegenseitig messen.“

APA: Sie gelten als Trainer mit einer klarer Linie. Was haben Österreichs Abfahrer zu erwarten?

Brunner (lacht): Ein guter Plan und eine gerade Linie kann nie schaden. Ich bin aber kein Schleifer.“

(Das Gespräch führt Hans Gödel/APA)




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