Letztes Update am Di, 06.06.2017 13:27

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Brexit - Europäische Landwirtschaft fürchtet starke Einbrüche



London (APA/AFP) - Die europäische Landwirtschaftsbranche fürchtet im Zuge des Brexit um ihren Exportmarkt Großbritannien. Obst und Gemüse, Rindfleisch, Milch und Wein könnten durch den Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der EU besonders stark betroffen sein, wie aus einem Bericht der größten Gewerkschaft Copa-Cogeca hervorgeht.

Die Austrittsverhandlungen zwischen der EU und Großbritannien sollen ab dem 19. Juni beginnen. Am Donnerstag finden in Großbritannien zunächst vorgezogene Parlamentswahlen statt.

Insgesamt belaufen sich die Ausfuhren von Agrarnahrungsmitteln auf 45 Mrd. Euro jährlich. Die Gewerkschaft forderte in ihrem Ende April in vorläufiger Fassung veröffentlichten Bericht „adäquate Instrumente“, um der erwarteten Krise gegenzusteuern. Besonders Deutschland, Frankreich, Spanien, Belgien und die Niederlande blicken besorgt auf die künftigen, noch offenen Handelsbeziehungen. Irland exportiert mehr als ein Drittel seiner Agrarlebensmittel und mehr als die Hälfte seines Rindfleischs nach Großbritannien, beim irischen Cheddar sind es sogar 80 Prozent.

Österreich liefert nicht allzu nennenswerte Mengen an agrarischen Gütern nach UK. Trotzdem steigt der Absatz- und Preisdruck innerhalb der EU, wenn insgesamt weniger Waren aus der Union nach Großbritannien geliefert werden, erwarten Fachleute.

Großbritannien hat in den bevorstehenden Austrittsverhandlungen in diesem Bereich wohl die stärkere Ausgangsposition. In der Handelsbilanz des Vereinigten Königreichs liegt die Landwirtschaft nur auf Platz 17 - weit hinter dem Automobilsektor. Ausnahmen bilden der schottische Whisky und das britische Lamm, deren Absatz allein sich in den übrigen 27 Mitgliedstaaten auf jährlich elf Milliarden Pfund (12,6 Mrd. Euro) beläuft.

Die Landwirtschaft gilt als eine der schwierigsten Verhandlungskapitel beim bevorstehenden Austritt des Landes aus der EU. Die Drohung von Premierministerin Theresa May, notfalls einen „harten“ Brexit ohne vertragliche Regelungen zu riskieren, schreckte die Branche zusätzlich auf. Wegen der dann fällig werdenden Zölle würden die Preise massiv steigen.

Viel stärker dürfte sich aber der Wegfall der britischen Beiträge zur sogenannten gemeinsamen Agrarpolitik (CAP) auswirken. Mit dem Instrument wird die Branche seit Jahrzehnten subventioniert. Durch den Austritt Großbritanniens würden Berechnungen der Gewerkschaft zufolge aber drei Milliarden Euro des Budgets wegfallen.

Großbritannien hatte Ende März offiziell den Austritt aus der Europäischen Union beantragt. Damit begann eine zweijährige Frist, in der beide Seiten die Details des Brexit aushandeln. Grundlage dafür war die Volksabstimmung im Juni vergangenen Jahres, bei der Briten knapp für den Brexit gestimmt hatten.




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