Letztes Update am Mi, 07.06.2017 09:27

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


London-Terror - Italo-Marokkaner radikalisierte sich im Internet



Rom/London (APA) - Die Mutter des Italo-Marokkaners Youssef Zaghba, der als dritter Attentäter des Anschlags mit sieben Toten in London identifiziert wurde, ist der Ansicht, dass sich ihr Sohn durch Internet-Propaganda radikalisiert habe. Weder in Italien noch in Marokko sei der 22-jährige mit fundamentalistischen Kreisen in Verbindung gekommen, berichtete die Frau im Interview mit dem Magazin „L ?Espresso“.

„Wir haben immer Youssefs Freundschaften kontrolliert. Er benützte jedoch Internet, von dort kommt alles. Weder in Italien, noch im marokkanischen Fez, wo er an der Universität Informatik studierte, hat er sich jemals von jemanden beeinflussen lassen“, meinte Valeria Collina, die einen Marokkaner geheiratet hatte und vor 26 Jahren zum Islam übergetreten war. Sie gehe davon aus, dass ihr Sohn, der seit einigen Monaten in einem Restaurant in London arbeitete, dort Personen getroffen habe, die ihn zum Fundamentalismus führten.

Zuletzt habe sie am Donnerstag Kontakt zu ihrem Sohn gehabt. „Er hat mich am Donnerstag angerufen. Jetzt weiß ich, dass das ein Abschiedsanruf war. Er hat mir zwar nichts Besonderes mitgeteilt, doch ich spürte es an seiner Stimme. Normalerweise schickte er SMS , rief aber nicht häufig an“, so die Frau.

Den Rest ihres Lebens werde sie sich für den Frieden engagieren. „Nur eine Mutter kann das Leid einer anderen Mutter begreifen. Ich weiß, dass nichts genügen wird, um den Schmerz dieser Frauen zu lindern. Ich bin aber zu allem bereit, um Frieden zu bringen. Ich begreife, dass es sinnlos ist, um Verzeihung zu bitten. Daher werde ich ab jetzt mein ganzes Leben dafür einsetzen, damit so etwas nicht mehr geschieht“, so Collina. Sie wolle den Menschen den wahren Islam nahe bringen. „Wir müssen die Ideologie des Islamischen Staates mit wahrem Wissen bekämpfen und ich werde das mit all meinen Kräften tun“, erklärte die Frau.

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Zaghba war den italienischen Geheimdiensten bekannt. Er war im März 2016 auf dem Flughafen von Bologna festgenommen worden. Die italienischen Behörden verdächtigten ihn, sich der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien anschließen zu wollen. Er wurde wieder freigelassen, weil es nicht genügend Hinweise auf Verbindungen zur IS-Miliz gab. Seitdem stand er auf den Listen der gefährlichen Personen.

Der Staatsanwalt von Bologna, Giuseppe Amato, berichtete, dass der Italo-Marokkaner den britischen Ermittlern als mögliche Verdachtsperson gemeldet worden war. „In eineinhalb Jahren hat er zehn Tage in Italien verbracht und stand stets unter Polizeibeobachtung. Wir haben alles getan, was wir tun konnten“, betonte der Staatsanwalt.




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