Letztes Update am Mi, 07.06.2017 09:54

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr zurückgegangen



Wien (APA) - Die Unternehmensinsolvenzen sind im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 4 Prozent gesunken. Ein Plus gab es laut der Hochrechnung des KSV1870 nach Bundesländern nur in Niederösterreich - dort aber gleich um 20 Prozent. Fürs Gesamtjahr rechnet der Gläubigerschutzverband mit einer „ruhigen Lage“. „Wir stehen an der Schwelle einer Konjunkturbelebung.“

Hochgerechnet gingen in den ersten sechs Monaten heuer 1.540 Firmen Pleite - ein Minus von 7 Prozent, wie der KSV bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien bekannt gab. Wegen zu wenig Vermögen nicht eröffnet wurden 1.028 Insolvenzfälle, womit mit die Zahl im Vergleichszeitraum stabil blieb. Die Zahl der betroffenen Dienstnehmer sank um 22 Prozent auf 7.400.

Die insgesamt 2.542 insolventen Unternehmen häuften Verbindlichkeiten von 652 Mio. Euro (ohne Ausschüttungen/Quotenzahlungen) an. Das ist ein Rückgang von 64 Prozent, weil im ersten Halbjahr 2016 Sonderfälle (etwa Activ Solar mit 500 Mio. Euro und Slav Handel mit 113 Mio. Euro mit Verbindlichkeiten in der Ukraine) die Gesamtverbindlichkeiten massiv erhöht hatten. Rechnet man die Sonderfälle heraus, so liegen die Gesamtverbindlichkeiten heuer nach sechs Monaten immer noch um 25 Prozent unter jenen des ersten Halbjahres 2016.

Die große Steigerung in Niederösterreich ist laut KSV auf Klein- und Kleinstunternehmen zurückzuführen, die „nicht ordentlich liquidiert werden, weil es nichts mehr abzuwickeln zu geben scheint“. Die Passiva sind jedenfalls auch in NÖ deutlich gesunken - und zwar um 23 Prozent. Somit falle der Zuwachs an Pleitefirmen „volkswirtschaftlich wenig ins Gewicht“.

In der Steiermark sind die Pleitefälle nach dem Burgenland (minus 26 Prozent) am deutlichsten gesunken - minus 22 Prozent. Die Verbindlichkeiten gingen sogar um 55 Prozent zurück. Das zeigt laut KSV-Experten Hans-Georg Kantner, dass die industriegeprägte Steiermark nach „insolvenz-intensiven Jahren“ nun an Rest-Österreich aufschließe. Durch den hohen Grad an industrieller Fertigung sei das Land externen und konjunkturellen Einflüssen gegenüber besonders empfindlich.

Die Insolvenzen werden laut Kantner wieder ansteigen, wenn die Wirtschaft drei bis vier Quartale wächst. Denn dann würden die Zinsen wieder auf ein normales Niveau ansteigen - „und damit auch die Insolvenzen. Diese Entwicklung wird aber frühestens 2018 zu spüren sein.“

( 0586-17, Format noch offen)

~ WEB http://www.ksv.at ~ APA109 2017-06-07/09:50




Kommentieren