Letztes Update am Mi, 07.06.2017 10:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Parlamentswahl im Kosovo - Haradinaj, Hoti und Kurti buhlen um Wähler



Prishtina (Pristina) (APA) - Wer ihr nächster Regierungschef wird, werden die Kosovaren am Sonntag entscheiden. Dabei haben sie die Wahl zwischen einem ehemaligen UCK-Kommandaten, einem Finanzexperten und einem früherem Studentenführer. Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen sind drei Kandidaten aufgestellt, die unterschiedlicher nicht sein können.

Die mit Abstand größten Chancen werden Ramush Haradinaj, dem Chef der Allianz für die Zukunft (AAK), eingeräumt. Er hatte 2004 drei Monate lang das Amt inne. Haradinaj ist der Kandidat des Wahlbündnisses um die Demokratische Partei. Mit Forderungen gegenüber Serbien sorgte der 48-jährige Politiker für Aufregung in Belgrad. Prishtina werde den EU-geführten Dialog mit Serbien nur dann fortsetzen, wenn es seitens Belgrads als ein souveräner, unabhängiger Staat akzeptiert werde, sagte Haradinaj, der während des Kosovo-Krieges (1998-99) einer der Kommandanten der Befreiungsarmee (UCK) war.

Der Politiker bezeichnete Serbien zudem als Feind. Haradinaj war Anfang des Jahres auf Basis eines serbischen Haftbefehls in Frankreich vorübergehend festgenommen worden. Serbien wirft ihm vor im Juni 1999 Kriegsverbrechen begangen zu haben. Dabei hatte Haradinaj im März 2005 das Amt des Ministerpräsidenten niedergelegt, nachdem er vom UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien angeklagt worden war. 2008 wurde er freigesprochen. Als der Prozess wiederholt wurde, wurde er 2012 erneut freigesprochen. Haradinaj wurde wiederholt mit dem organisierten Verbrechen in Verbindung gebracht. Der Vorwurf konnte aber nie bestätigt werden.

Sein Kontrahent Avdullah Hoti aus der Demokratischen Liga (LDK), der bisher als Finanzminister tätig war, kann dagegen auf eine akademische Laufbahn zurückblicken. Nach dem Studium in Prishtina, erwarb Hoti seinen Doktortitel an der Staffordshire Universität in Großbritannien. Er arbeitete bei mehreren internationalen Finanzorganisationen und ist auch als Professor an der Fakultät für Volkswirtschaft in Prishtina tätig.

Der ehemalige Studentenführer Albin Kurti musste sein Studium vorübergehend unterbrechen, als er 1999 während des Kosovo-Krieges von serbischen Behörden festgenommen und zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde. Nach dem Machtwechsel in Belgrad kam er im Dezember 2001 wieder frei. Einer Zusammenarbeit mit Serbien steht Kurti ablehnend gegenüber, ebenso der geplanten Bildung der Gemeinschaft der serbischen Gemeinden, eine Art Autonomie der Kosovo-Serben. Die Führung der von ihm gebildeten „Vetevendosje“ hat der Politiker, der inzwischen sein Studium der Telekommunikation abgeschlossen hat, schon vor einiger Zeit dem Parteifreund Visar Ymeri überlassen.




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