Letztes Update am Mi, 07.06.2017 10:20

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess um Mordversuch in Vorarlberger Regionalzug begonnen



Feldkirch (APA) - Am Landesgericht Feldkirch hat heute, Mittwoch, Vormittag ein Geschworenenprozess gegen einen 61-Jährigen wegen versuchten Mordes begonnen. Dem psychisch kranken Deutschen wird vorgeworfen, im August 2016 in einem Vorarlberger Regionalzug zwei junge Männer durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt zu haben. Der Prozess wurde bis zum späten Nachmittag anberaumt.

Der Betroffene bestreitet, dass er die beiden töten wollte. Er sei selbst schockiert von seiner Tat, Tötungsabsicht habe er keine gehabt, betonte die Verteidigung. Laut gerichtspsychiatrischem Gutachten hat der Mann die spektakuläre Tat unter Einfluss einer paranoiden Schizophrenie begangen und sei daher nicht zurechnungsfähig gewesen. Die Staatsanwaltschaft will den Mann in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher einweisen.

Staatsanwalt Manfred Bolter skizzierte in seinem Eröffnungsplädoyer den Lebensweg der Mannes. Der Deutsche absolvierte eine Fachhochschule für Gestaltung und versuchte sich als Werbedesigner. Er scheiterte, versuchte sich aber dennoch weiter in der Kunstszene. Aufenthalte in deutschen Krankenhäusern folgten. Paranoide Schizophrenie wurde diagnostiziert.

An jenem Morgen im August 2016 hatte der unstete und verwahrloste Mann ganze 45 Cent dabei, die Nacht hatte er ohne Essen und Trinken hinter sich gebracht. Im Lokal-Frühzug fühlte er sich durch die Handys von gegenüber sitzenden jungen Fahrgästen (17 und 19 Jahre) bedroht und zückte ein sogenanntes Fahrtenmesser. Laut polizeilichen Ermittlungen hatte er sich durch Neonazis verfolgt gefühlt, deswegen stach er zu. Der 19-Jährige erlitt schwere Bauchstiche, der 17-Jährige wurde am Hals schwer verletzt.

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Der 61-Jährige selbst zeigte sich in der Verhandlung schockiert, dass er auf zwei wehrlose Personen eingestochen hat. Dass er die beiden Opfer töten wollte, bestritt der Mann allerdings. Gerichtspsychiater Primar Reinhard Haller sollte im Verlauf des Prozesses zur psychischen Situation des Mannes Stellung nehmen, ein gerichtsmedizinischer Experte die Verletzungen erläutern. Mehrere Zeugen sind geladen.




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