Letztes Update am Mi, 07.06.2017 12:18

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Betrugsprozess in Klagenfurt - Angeklagter: „Ich war spielsüchtig“



Klagenfurt (APA) - Im Klagenfurter Betrugsprozess hat am Mittwoch der Hauptangeklagte ein vollinhaltliches Geständnis abgelegt, die Schuld auf sich genommen und seine Mitangeklagten zum Teil entlastet. Er habe sich das Betrugsmodell selbst ausgedacht und keine Komplizen gehabt, erklärte er. Er sei spielsüchtig gewesen und habe das Geld gebraucht. Der Mann ist besachwaltet.

Laut Anklage haben er und zwei Kärntner mit fingierten Bauaufträgen zwölf österreichische Unternehmen um 8,3 Mio. Euro geschädigt. 2009 habe es das erste Treffen mit den beiden Mitangeklagten gegeben, erzählte er dem Vorsitzenden des Schöffensenats, Richter Gernot Kugi. Diesen habe er gesagt, dass er Übersetzer sei. Die Kärntner haben 2010 in der Slowakei dann eine Firma namens „Green Building“ gegründet. Von dieser Firma hatte der Staatsanwalt gesagt, dass niemand genau wisse, was sie getan habe.

Der Angeklagte erklärte, er selbst habe in der Firma offiziell keine Funktion ausgeübt, inoffiziell sei er der Geschäftsführer gewesen. Diese Firma habe Arbeiter aufgenommen und nach Österreich zum Arbeiten geschickt, so der Angeklagte.

Die Informationen zu den fingierten Projekten - es sollten Plattenbauten thermisch saniert werden - habe er erfunden und die notwendigen amtlichen Bestätigungen gefälscht. Die Informationen, die er dazu brauchte, habe er aus dem Internet entnommen, die Unterschriften selbst nachgemacht. Bei den Treffen mit den Beamten des slowakischen Finanzministeriums und Politikern habe er falsch übersetzt - die österreichischen Opfer verstanden kein Slowakisch. Mit eigenen Mitteln habe er sogar eine Spatenstichfeier organisiert, erzählte er.

Seine Opfer fand er laut seiner Aussage im Telefonbuch. Auf die Frage des beisitzenden Richters Christian Liebhauser-Karl, woher er gewusst habe, dass die Unternehmer aus dem Telefonbuch in der Lage und bereit wären, Geld zu investieren, antwortete der Angeklagte: „Ich denke, das war Glück.“

„Haben Sie dem Mitangeklagten gesagt, dass Sie Firmen betrügen und ihnen Geld herauslocken?“ fragte Kugi. „Nein, nicht direkt“, antwortete der Angeklagte. „Hat er gewusst, dass Sie ein Betrüger sind?“, stieß Liebhauer-Karl nach. „Das weiß ich nicht“, so der Ungar. An die Rolle und die Mitwirkung des mitangeklagten Bauunternehmers konnte er sich in der Befragung bei mehreren Fällen im Detail nicht erinnern.

Dieser hatte nach eigenen Angaben selbst rund 300.000 Euro investiert und dieses Geld verloren. Was dieser dann von der „Green Building“ gehabt habe, fragte der Richter. Wenn er Geld gebraucht habe, dann habe er dem Bauunternehmer schon geholfen, sagte der Angeklagte. Das seien einmal 200.000 Euro für einen Konkurs in Österreich gewesen. Die monatlichen Kosten von Green Building - 80.000 bis 100.000 Euro über einen Zeitraum von sechs Monaten - habe er ebenfalls gezahlt, darüber hinaus habe der Mitangeklagte kein Geld von ihm bekommen.

Bei einem Projekt soll ein Unternehmen um rund drei Mio. Euro geschädigt worden sein. „Stimmt das?“, fragte Kugi. „Ich habe nicht mitgeschrieben, aber wenn der Geschädigte das sagt, wird es schon stimmen“, antwortete der Angeklagte. „Was ist mit dem Geld passiert?“ wollte Kugi wissen. „Verspielt“, lautete die Antwort. Zum Teil in illegalen Casinos, wo es keine Limits gebe. Schadenwiedergutmachung habe er bisher keine geleistet.

Die Hauptverhandlung wurde am Nachmittag fortgesetzt.




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