Letztes Update am Mi, 07.06.2017 12:51

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Steirischer Tierschutz: Fälle und Anzeigen sprunghaft angestiegen



Graz (APA) - Sowohl die Anfragen als auch die Verfahren in Sachen Tierschutz in der Steiermark sind in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen, wie Tierschutzombudsfrau Barbara Fiala-Köck am Mittwoch bei der Präsentation ihres Tätigkeitsberichts 2016 in Graz sagte. Viele Menschen seien mit der Haltung überfordert. Und: „Tierleid geht oft Hand in Hand mit Menschenleid“, sagte Fiala-Köck.

Die Ombudsfrau berichtete von stetig steigenden Zahlen von Anfragen und Verfahren. 90 Anzeigen habe es im Jahr 2010 gegeben. 2016 seien es bereits 308 gewesen, eine Steigerung um 242 Prozent. Der Großteil davon entfalle auf den Raum Graz und Umgebung, bzw. südlich der Mur-Mürz-Furche. Dies hänge sowohl mit der großen Bevölkerungszahl als auch der höheren Anzahl an gehaltenen Tieren gegenüber der Obersteiermark zusammen.

Von den 308 Anzeigen waren 219 tatsächlich Tierschutzübertretungen. In 35 Fällen waren Vorwürfe nicht beweisbar. Betroffen waren 127 Heimtiere, 65 Nutztiere und 27 Wildtiere. Weiters habe die Ombudsstelle 2016 insgesamt 358 Anfragen schriftlich beantwortet. Darunter entfielen 79 auf die Frage der Kastration von Streunerkatzen, aber auch so exotische wie der Haltung von Garnelen oder Insekten waren darunter, letztere vor allem als Futtertiere in Zoohandlungen.

Die Ombudsstelle mit fünf Mitarbeitern sei 2016 weiters in 488 Verfahren eingebunden gewesen, dabei handelte es sich um 240 Verwaltungs- und 248 Verwaltungsstrafverfahren. In diesen Fällen habe die Stelle Parteienstatus.

Ein Schlüssel ihrer Tätigkeit sei Zusammenarbeit, sagte Fiala-Köck, bereits im achten Jahr Ombudsfrau: „Es gibt wirtschaftliche Interessen der Tierhalter, die Vorgaben der Behörden, die Politik, die Tierschutzstellen - wie unser zuständiger Landesrat Anton Lang sagte, es geht nur gemeinsam.“ Ihr Credo sei: „Wenn bereits ein Kind mit Tieren respektvoll umgeht, kann man davon ausgehen, dass sie auch mitfühlende und verantwortungsbewusste Erwachsene werden“, gab sich Fiala-Köck überzeugt. Deshalb forciere man auch das Projekt „Tierschutz macht Schule“ in Zusammenarbeit mit Lehrern.

Die Anfragen oder auch gemeldeten Fälle seien vielfältig. Da könne der Stall zu klein sein oder Hunde an Ketten gelegt. In St. Margarethen an der Raab habe ein Mann Hunde verhungern lassen. Ein Mal wurden Ziegen wegen Unzurechnungsfähigkeit des Halters abgenommen - hier gehe Tierleid und Menschenleid oft Hand in Hand. „Menschen wollen Tiere haben, sind aber oft überfordert“, sagte Fiala-Köck. In einem Fall habe eine offenkundig verwirrte Frau sich selbst mit Schnüren und Fäden umwickelt und mit ihrem Kater dasselbe gemacht. Das Tier konnte nicht mehr fressen und musste im Heim erst langwierig mit Brei an die Nahrungsaufnahme herangeführt werden.

Tierschutz-Landesrat Lang (SPÖ) lobte Fiala-Köck für ihre Tätigkeit: „Sie hört mit dem Tierschutz nicht um 17.00 Uhr auf. Sie ist das ganze Jahr im Einsatz.“ Für ihn gehe es bei der Materie „auch um Wissensweitergabe. Wie geht man mit Tieren um, was heißt es, ein Haustier zu haben?“




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