Letztes Update am Mi, 07.06.2017 12:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Betrugsprozess in Klagenfurt - Angeklagter: „Habe allein gehandelt“



Klagenfurt (APA) - Im Betrugsprozess am Landesgericht Klagenfurt ist am Mittwochnachmittag die Einvernahme des Hauptangeklagten fortgesetzt worden. Er hatte am Vormittag die Schuld auf sich genommen und blieb auch weiter bei seiner Linie: Er habe alles allein durchgezogen, weder die Mitangeklagten noch Beamte, Politiker oder andere Personen seien beteiligt gewesen. Die Verhandlung wurde auf Donnerstag vertagt.

Der Ungar und zwei Kärntner müssen sich wegen gewerbsmäßig schweren Betrugs verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, Bauaufträge für thermische Sanierungen von Plattenbauten fingiert und damit 8,3 Mio. Euro ergaunert zu haben.

Der Hauptangeklagte erzählte unter anderem, dass er Geschäftspartnern falsche Baustellen präsentiert, zwischen den einzelnen Geschäftspartnern falsch übersetzt, Limousinen gemietet, unterschiedliche Personen zum Essen eingeladen sowie Kontakt zu hochrangigen Persönlichkeiten gehabt habe. Alles sei auf seiner Idee basiert und er habe das Ganze im Alleingang abgewickelt.

„Es ist schwer vorstellbar, dass Sie ganz allein der Puppenspieler in der Slowakei gewesen sein sollen“, sagte der beisitzende Richter, Christian Liebhauser-Karl, zu dem angeklagten Ungarn. „Es war aber so“, erklärte dieser.

Dann der Staatsanwalt: „Wie kommt man auf so etwas? Haben Sie ein Buch gelesen oder einen Film gesehen?“ „Nein, es ist mir so eingefallen“, antwortete er. „Wie viele Stunden haben Sie am Tag dafür aufgebracht?“ „Zehn bis Zwölf Stunden.“ „Und dann sind Sie ins Casino?“, „Ja“, so der Angeklagte, der bereits mehrfach erklärte hatte, spielsüchtig zu sein.

Bei einer fingierten Spatenstichfeier waren auch hochrangige Vertreter der Gemeinden anwesend gewesen. Der Angeklagte erzählte, er habe sie eingeladen und ihnen erklärt, dass sich damit der österreichische Unternehmer vorstellen wolle, um ein kostenloses Pilotprojekt zu realisieren. Dem Unternehmer habe er hingegen erzählt, das sei der Startschuss für das lukrative Projekt. Seinen Opfern hatte er sogar fingierte Baustellen mit Tafeln von „Green Building“ vorgeführt. Er habe den mitangeklagten Bauunternehmer um solche Tafeln gebeten. „Und er hat nicht nachgefragt, wofür Sie die brauchen?“, fragte der Staatsanwalt. „Ich glaube nicht“, sagte der Ungar.

„Das können Sie nicht allein geschafft haben, das ist unmöglich“, sagte Liebhauser-Karl. „Das war aber so“, beharrte der Angeklagte auf seinen Aussagen. Diese brachten den beisitzenden Richter schließlich zu der Frage: „Schließen Sie aus, dass Sie ein Bauernopfer sind?“ „Ich schließe es aus“, antwortete der Ungar nach der Übersetzung durch die Dolmetscherin.

Bei seiner Verhaftung waren bei ihm 17 Mobiltelefone sichergestellt worden. „Wofür brauchten Sie die?“, fragte Liebhauser-Karl. Er habe verschiedene Nummern in verschiedenen Handys gespeichert gehabt, begründete der Angeklagte das. „Dazu braucht man aber nicht 17 Handys, das kann man auch in einem“, replizierte Richter. Auf nochmalige Nachfrage sagte der Ungar schließlich, dass er panische Angst gehabt habe, abgehört zu werden, daher habe er die Telefone immer getauscht.

Bei der weiteren detaillierten Befragung, bei der auch immer wieder der Name eines slowakischen Kommunalpolitikers auftauchte, blieb der Angeklagte zwischendurch die Antwort schuldig und konnte sich an Verschiedenes nicht erinnern.




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