Letztes Update am Mi, 07.06.2017 14:21

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bemühungen zur Beilegung der Krise um Katar verstärken sich



Doha/Berlin/Washington (APA/AFP) - In der Krise zwischen mehreren arabischen Staaten und Katar gibt es verstärkt internationale Bemühungen um eine Befriedung der Lage. Überraschend rief US-Präsident Donald Trump zur Einheit der Golfstaaten auf, nachdem er Stunden zuvor noch den Boykott Katars gelobt hatte. Die deutsche Bundesregierung appellierte am Mittwoch an alle Seiten, den Dialog aufzunehmen.

Der US-Sender CNN berichtete inzwischen , die Krise sei durch einen russischen Hackerangriff angefacht worden.

In einem Telefonat mit dem saudiarabischen König Salman habe Trump am Dienstagabend die Notwendigkeit der Einheit der Golfstaaten betont, teilte das Weiße Haus mit. Trump und König Salman sprachen demnach darüber, dass die Finanzierung von Terrororganisationen und die Förderung des Extremismus durch alle Nationen in der Region verhindert werden müsse. Trump bekräftigte, dass ein einheitlicher Golfkooperationsrat unabdingbar für die Bekämpfung des Terrorismus und die Förderung regionaler Stabilität sei.

Kurz zuvor hatte Trump den Boykott des Golfemirats Katar durch mehrere Nachbarländer noch als positives Resultat seiner Nahost-Politik beschrieben. Es sei „so gut zu sehen“, dass sein kürzlicher Besuch in Saudi-Arabien „sich bereits auszahlt“, schrieb Trump im Kurzbotschaftendienst Twitter.

„Es ist die klare Auffassung der Bundesregierung, dass die Blockade eines Landes nicht zielführend ist“, sagte der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Von dem Konflikt ist nach Angaben des deutschen Auswärtigen Amtes eine dreistellige Zahl von deutschen Bürgern betroffen. Die deutsche Botschaft in Doha sei im „Krisenmodus“, sagte der Sprecher des Außenamts, Martin Schäfer. Mögliche Auswirkungen auf die Versorgungslage seien noch nicht absehbar.

„Wir alle sind daran interessiert, dass es zu keinen weiteren Eskalationen kommt“, sagte der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) nach einem Gespräch mit seinem saudiarabischen Kollegen Adel al-Jubeir in Berlin. Deutschland biete an, seinen Beitrag dazu zu leisten, wo immer dies möglich sei. „Wir werden alles unterstützen, was zu einer Deeskalation beiträgt.“ Zugleich betonte er das große Interesse Deutschlands am Erhalt der Anti-IS-Koalition.

Während auch Frankreich und Russland zum Dialog aufriefen, kam aus der Türkei Unterstützung für Katar. Staatschef Recep Tayyip Erdogan sagte, die gegen Katar ergriffenen Sanktionen seien „nicht gut“. Die Türkei werde ihre Verbindungen zu Katar weiter entwickeln.

Derweil versuchte der Emir von Kuwait zu vermitteln. Erste Gespräche von Sheik Sabah al-Ahmad al-Sabah mit Saudi-Arabiens König brachten jedoch keine Fortschritte. Der Außen-Staatsminister der Vereinigten Arabischen Emirate Anwar Karkasch sagte der Nachrichtenagentur AFP, bei den Maßnahmen gegen Katar gehe es nicht um einen „Regimewechsel“, sondern um eine „Änderung der Politik“. Zugleich warf Karkasch Doha vor, „der Haupt-Champion des Extremismus und Terrorismus in der Region“ zu sein.

Saudi-Arabien und seine Verbündeten Bahrain, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten am Montag die diplomatischen Beziehungen zu Katar überraschend abgebrochen sowie den Verkehr über Luft-, Wasser- und Landwege eingestellt. Begründet wurde dies unter anderem mit Verbindungen Dohas zu „Terrororganisationen“. Am Dienstag schlossen sich auch Jordanien und Mauretanien dem Boykott Katars an.

Der US-Sender CNN berichtete inzwischen unter Berufung auf US-Geheimdienstmitarbeiter, russische Hacker hätten eine „Fake News“-Geschichte bei der staatlichen Nachrichtenagentur Katars platziert, die Saudi-Arabien und andere Staaten zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Katar veranlasst habe.

Laut CNN gab die Regierung Katars an, dass der Medienbericht vom 23. Mai falsche Informationen hinsichtlich der katarischen Führung beinhaltete, die dem Iran und Israel gegenüber freundlich schienen. Katars Außenminister Sheik Mohammed Bin Abdulrahman al-Thani sagte CNN, das FBI habe den Hackerangriff und die „Fake News“-Geschichte bestätigt. Moskau wies die Vorwürfe zurück.

In Katar befindet sich der größte US-Luftwaffenstützpunkt im Nahen Osten. Er gilt als bedeutend für den US-geführten Kampf gegen den IS.




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