Letztes Update am Do, 08.06.2017 10:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Aktionstheater-Ensemble überzeugte in Bregenz mit „Ich glaube“



Bregenz (APA) - Ungewöhnlich, brachial, blutig, aber trotzdem amüsant und sehr unterhaltsam - so präsentiert sich die Inszenierung von „Ich glaube“. Die neueste Produktion des Aktionstheater-Ensembles feierte am Mittwoch in Bregenz seine erfolgreiche Uraufführung. Das Publikum zollte den Darstellern und dem Produktionsteam lang anhaltenden Schlussapplaus.

An was glauben die Menschen? Diese Frage wird im Stück „Ich glaube“ mit einem General-Rundumschlag beantwortet: Katholische Kirche, Scientology, einen Führer, Kapitalismus, Aufklärung, Reformation, Islam, Schlager, Volksmusik, Yoga, Erziehung und so weiter. „Die Liebe zu einer Idee, zu einer Sache und natürlich zu einem oder mehreren Menschen“, so Martin Gruber in einem Gespräch über das Stück. Es geht einfach um unzählige Dinge oder Lehren, die den Menschen wichtig sind. „Es geht um das Recht haben, oder besser gesagt um das Recht-haben-Wollen“.

Martin Gruber und sein Team zeigen mit „Ich glaube“ eine Art „Glaubensschlacht zu Schlagerklängen“. So könnte die Kurzfassung lauten. Wenn die Darsteller mit einer Wasserpistole beschossen werden und bluttriefend davon kommen, in einer Ecke ein Engel mit Schirmen tanzt und alle zum Finale Vicky Leandros‘ Schlager „Nein, sorg dich nicht um mich, du weißt, ich liebe das Leben“ anstimmen, wird man den Gedanken nicht los, dass das Thema hochbrisant ist, aber die Umsetzung fast etwas zu beschwingt und teilweise witzig daher kommt. Darf das bei diesem Thema sein, kann das sein? Die Antwort darauf muss sich jeder einzelne Zuschauer selbst geben.

Das Bühnenbild bei dieser Produktion ist kahl - eine Couch und eine Tonne für die Requisiten -, aber ausreichend. Mehr braucht es nicht, denn der Reigen, den die Darsteller vorführen, ist sprachlich und darstellerisch bunt genug. Susanne Brandt, Alev Irmak, Martin Hemmer, Claudia Kottal und Benjamin Vanyek sind ein wunderbares und sehr gut aufeinander eingespieltes Ensemble, das auch bei den Gesangseinlagen zu überzeugen weiß. Das mag auch im Wesentlichen daran liegen, dass die Arbeit am Text eine Gemeinschaftsleistung ist, bearbeitet durch Gruber und seinen Dramaturgen Martin Ojster.

Die Hintergrundmusik setzt klare und deutliche Akzente. Sounddesigner und verantwortlich für die Arrangements ist Kristian Musser, begleitet von den beiden Musikern Kirill Goncharov (Geige) und Jean Philipp Viol (Bratsche).

Man muss Martin Gruber - von ihm stammen Idee sowie Konzeption und er führte auch Regie - und seinem Aktionstheater-Ensemble vor allem eines zugutehalten: Sie greifen aktuelle Themen auf, bringen sie sehr schnell auf die Bühne und überzeugen mit ihrer Darstellern. „Ich glaube“ kommt als Publikums-freundlicher, gut verdaulicher Kritik-Happen daher. Man wird davon nicht satt, sondern wartet voller Vorfreude auf die nächste Portion.

Das Aktionstheater wurde 1989 von Martin Gruber gegründet, erhielt 2016 den Nestroypreis für die beste Off-Produktion für „Kein Stück über Syrien“. In Bregenz ist das aktuelle Stück „Ich glaube“ noch zweimal zu sehen, die Wiederaufnahme gibt es dann im Oktober in Wien im Werk X in Meidling. Die Kooperation mit dem „Bregenzer Frühling“ bleibt in diesem Rahmen ebenfalls bestehen - das heißt, dass eine Produktion im Jahr weiterhin gezeigt wird, bevor sie nach Wien kommt.

(S E R V I C E - „Ich glaube“, von Martin Gruber und aktionstheater ensemble, Uraufführung in Koproduktion mit Bregenzer Frühling. Weitere Vorstellungen: 8. und 9. Juni, jeweils 20 Uhr, im Shed8 (Theater Kosmos). Vorstellung dauert 75 Minuten, keine Pause. Freie Platzwahl. Tickets: www.v-ticket.at; http://aktionstheater.at)




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