Letztes Update am Do, 08.06.2017 10:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Internationale Pressestimmen zu terroranschlägen im Iran



Teheran (APA/dpa) - Die Terroranschlägen im Iran waren am Donnerstag Inhalt zahlreicher internationale Pressekommentare:

„El Pais“ (Madrid):

„Die Stabilität im Iran ist eine unverzichtbare Voraussetzung für den Frieden in Nahost. Das Land am Persischen Golf befindet sich in einem Prozess der Reformen und der Öffnung, der von (Präsident) Hassan Rouhani angeführt wird (...). Jede Aktion, die diese Stabilität ins Wanken bringt, gibt den Argumenten jener Auftrieb, die eine Kehrtwende und eine härtere Vorgehensweise der Regierung fordern. Rohani setzt sich für die Normalisierung der Beziehungen zum Westen ein und war die treibende Kraft im Iran hinter dem von Teheran unterzeichneten Atomabkommen (...). Es wäre sehr gefährlich, wenn iranische Extremisten, die gegen den Pakt sind, die Anschläge von gestern jetzt für ihre Zwecke ausnutzen würden.“

„Kommersant“ (Moskau):

„Die Terroristen des ‚Islamischen Staates‘ (IS) haben den Iran erreicht. Es war einer der schwersten Terroranschläge seit Bestehen der Islamischen Republik. Die Verantwortung hat der IS übernommen, dem ein solcher Anschlag im Iran bisher nicht gelungen war. Experten schätzen, das Ziel der sunnitischen Radikalen sei ein Signal an die islamische Welt gewesen: Selbst vor dem Hintergrund des Konfliktes zwischen den Monarchien am Persischen Golf kann man sich nicht auf den Iran als Hort der Stabilität verlassen.“

„Times“ (London):

„Der Iran war schnell dabei, mit dem Finger auf Saudi-Arabien zu zeigen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er zum Anschlagsziel für die Terrormiliz IS wurde, die ja auch die Verantwortung übernommen hat. Die Revolutionsgarden des Iran sind zu einem bedeutenden Faktor im Irak und in Syrien geworden und stützen das Regime von Bashar al-Assad. Der Iran unterstützt und führt die Schiitenmilizen rings um (die im Norden des Irak liegende IS-Hochburg) Mosul. Er finanziert die libanesische Hisbollah, die sich als die effektivste Truppe des Assad-Regimes erwiesen hat. Der Kommandant der iranischen Al-Quds-Brigaden pendelt zwischen beiden Schlachtfeldern. Das Paradoxe ist, dass Teheran - selbst ein Drehkreuz und Koordinator des Terrorismus - nun verwundbar für eine Art Vergeltungsschlag geworden ist. Sollte sich der IS ausgerechnet haben, dass ein Angriff auf den Iran die Rolle Teherans (in den Konflikten in Syrien und im Irak) irgendwie reduzieren würde, liegt er damit falsch. Wahrscheinlicher ist, dass die Revolutionsgarden nun ihre militärischen Aktionen im Ausland mit dem Segen der Geistlichkeit verstärken werden.“

„La Repubblica“ (Rom):

„Auch in den Tagen, in denen man bereits dazu geneigt sein könnte, die sich erbarmungslos aneinanderreihenden Terroranschläge der letzten Zeit zu banalisieren, ist es eine niederschmetternde Tatsache: Teheran fügt sich in die Reihe der Städte ein, die zur Zielscheibe für blutige Racheakte des ‚Islamischen Staates‘ geworden sind. Es bestätigt sich so, dass niemand, unter welchem Regime auch immer, von solchen Attacken verschont bleibt.“




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