Letztes Update am Do, 08.06.2017 09:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Staatsoper beschließt Premierensaison mit „Pelleas et Melisande“



Wien (APA) - Es ist eines der eigenständigsten Werke des Opernrepertoires, das heuer die Premierensaison in der Wiener Staatsoper beschließen wird: Claude Debussys symbolistisches Stück „Pelleas et Melisande“. Vor über 26 Jahren, im Jänner 1991, war die Oper das bis dato letzte Mal am Ring zu hören. Nun inszeniert Marco Arturo Marelli das 1902 uraufgeführte Werk neu.

Am 18. Juni ist Premiere, für die der Schweizer Marelli in gewohnter Manier wieder für Bühnenbild und Regie in Personalunion verantwortlich zeichnet. Die beiden Titelpartien sind dabei mit Adrian Eröd und Olga Bezsmertna mit zwei am Haus wohlbekannten Kräften besetzt. Für die 1983 in der Ukraine geborene Sopranistin Bezsmertna, die seit 2012 im Ensemble der Staatsoper ist, stellt die Melisande ein Rollendebüt dar - was entsprechend viel Zeit in der Vorbereitung in Anspruch nahm.

„An der Melisande musste ich sehr lange arbeiten, weil das als impressionistisches Stück eine ganz andere Form der musikalischen Kommunikation ist“, unterstreicht die Mozart-Expertin im APA-Gespräch. Hinzu komme, dass das ätherische Wesen, das sie nun erstmals verkörpere, wenig mit ihrer eigenen Persönlichkeit zu tun habe: „Ich bin im Leben ganz anders als Melisande.“

Mozarts Musik sei da gänzlich anders: „Bei Mozart muss man nicht nach links oder rechts schauen, sondern immer geradeaus gehen.“ Bei Debussy stünde hingegen mehr das Spiel mit dem Tempo im Fokus. Deshalb sei für sie auch klar, dass sie Mozart so lange als möglich treu bleiben wolle: „Es ist so eine raffinierte, wunderschöne Musik! Und es ist so gesund für die Stimme.“

Dabei reizt es die Ukrainerin durchaus, eines Tages vielleicht auch einmal selbst auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen. „Als Kind hatte ich den Traum, Regisseurin zu werden, nicht Sängerin.“ Ob der Wechsel hinter die Kulissen irgendwann erfolge, könne sie nicht sagen, aber einen Versuch sei es sicher wert. Einstweilen gestalte sie eben ihre Partien entsprechend aus: „Ich glaube ja, dass jeder Sänger der Regisseur seiner eigenen Rolle ist.“

Die Position als Ensemblemitglied der Staatsoper sei aber nach wie vor ein Traum - und für eine Solistenkarriere blieb mit der Familie wenig Raum: „Ich bin jetzt schon genug eingespannt. Ich habe zwei kleine Kinder, da ist das Reisen schwierig. Ich fühle mich als Ensemblemitglied sehr wohl und kann die Partien, die ich mir wünsche, singen.“ Denn eines bleibe auch bei Sängern eine unumstößliche Wahrheit: „Wir sind normale Menschen, keine Superstars. Nach der Probe geht das normale Leben los.“

(S E R V I C E - „Pelleas et Melisande“ von Claude Debussy in der Staatsoper, Opernring 2, 1010 Wien. Dirigent: Alain Altinoglu, Regie/Bühne/Licht: Marco Arturo Marelli, Kostüme: Dagmar Niefind. Mit: Franz-Josef Selig - Arkel, Bernarda Fink - Genevieve, Adrian Eröd - Pelleas, Simon Keenlyside - Golaud, Olga Bezsmertna - Melisande, Maria Nazarova - Kleine Yniold und Marcus Pelz - Arzt. Premiere am 18. Juni. Weitere Aufführungen am 20., 24., 27. und 30. Juni sowie am 12., 15., 18. und 21. Oktober. www.wiener-staatsoper.at)




Kommentieren