Letztes Update am Do, 08.06.2017 11:09

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vucic für Balkan-Wirtschaftsraum - Hahn: Kein Ersatz für EU-Beitritt



Belgrad (APA) - Der serbische Präsident Aleksandar Vucic hat sich für die Schaffung eines gemeinsamen Wirtschaftsraums von Serbien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, Albanien, Montenegro und Kosovo ausgesprochen. EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn betonte am Donnerstag nach einem Treffen mit Vucic in Belgrad, der geplante Wirtschaftsraum wäre kein Ersatz für eine EU-Mitgliedschaft der Balkan-Staaten.

Vucic sagte, er bestehe darauf, eine gemeinsame Wirtschaftszone in der Region zu schaffen. „Wir sind alle klein in der Westbalkanregion.“ Mit einem gemeinsamen Markt könnten Steuersätze angeglichen, die Kosten gesenkt und Kapital und Personen besser bewegt werden. Außerdem würde das Verkehrssystem verbessert und mehr Investitionen in Serbien und in den anderen Staaten in der Region angezogen werden, sagte Vucic.

Er wisse aber auch, dass die Idee eines gemeinsamen Marktes auf Skepsis stoße, weil es als „eine serbische Idee“ angesehen werde, sagte Vucic. Dabei könnte aus als eine albanische oder bosnische Idee angesehen werden.

Hahn zeigte sich bei seinem ersten Besuch in Belgrad seit der Wahl von Vucic zum Präsidenten Serbiens überzeugt, dass das Konzept zur Schaffung eines gemeinsamen Wirtschaftsraums der Balkanländer beim Westbalkan-Gipfel in Triest im Juli angenommen werde. Das Konzept könnte laut Hahn binnen eines Jahres umgesetzt werden. Serbien spiele dabei eine Schlüsselrolle, sagte der EU-Kommissar.

Hahn betonte, alle Argumente, wonach ein solches Wirtschaftsraum der Westbalkan-Staaten die Länder weiter weg von einer EU-Mitgliedschaft führe, wären falsch. Die Schaffung eines solchen Wirtschaftsraums sei vielmehr als Vorbereitung für den Zugang zum EU-Binnenmarkt zu sehen.

Angesprochen auf Berichte über Pläne in Berlin für eine Art Marshall-Plan für die Balkan-Länder, betonte Hahn, dies wäre nicht gegen die EU-Mitgliedschaft dieser Länder gerichtet. „Es ist kein Ersatz“ für die EU-Mitgliedschaft, betonte Hahn. Vielmehr zeige dies die Verpflichtung Deutschlands zur weiteren Unterstützung der Region. Er sei erfreut über solche Ideen, jedoch müssten diese Aktivitäten auch koordiniert werden. Die Idee für einen Marshall-Plan sei gut, entscheidend sei jedoch eine zusätzliche Finanzierung.

Nach Worten von Hahn sollten die Westbalkan-Staaten durch Schaffung eines gemeinsamen Marktes für 20 Millionen Menschen auch Jobs in der Region kreieren, um eine Abwanderung junger Menschen zu verhindern. Ziel sei der frei Fluss von Waren und Dienstleistungen sowie die gegenseitige Anerkennung von Berufszertifikaten. Heute seien die Märkte in der Region stark zersplittert.




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