Letztes Update am Do, 08.06.2017 11:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schmerz: Einschätzung 2 - Ringen um objektive Qualitätskriterien



Valletta (APA) - „Die von den Patienten berichtete Schwere der Schmerzsymptomatik ist wichtig. Wir brauchen aber eine Standardisierung der Schmerzmessung“, sagte bei dem Symposium zum Thema der gesellschaftlichen Auswirkungen von Schmerz (SIP) am Donnerstag in Malta die niederländische Expertin Steegers - allerdings auch mit Hinweis auf erhebliche Probleme bei der Durchführung.

„Schmerz im Ruhezustand kann anders sein als bei Bewegung und beim Gehen. Je nachdem können Symptome noch akzeptabel sein oder als intolerabel eingeschätzt werden“, betonte Steegers. Krankenhäuser tendierten unter dem Druck, bei Bekanntgabe ihrer Qualitätsmerkmale in der breiten Öffentlichkeit dazu, die Statistiken (auch jene zur Schmerzkontrolle) möglichst „schön“ aussehen zu lassen.

„Das kann auch eine Überbehandlung auslösen“, sagte Winfried Meißner von der deutschen Schmerz-Gesellschaft. Patienten würden dann sehr schnell und in hohen Dosierungen mit den stärksten vorhandenen Analgetika behandelt, was wiederum zu bedeutsamen Nebenwirkungen führt. Auch die Abhängigkeit einer Spitalsfinanzierung vom Status der von Patienten berichteten Schmerzproblematik muss nicht das Optimum sein, weil solche Mechanismen indirekt eine Übertherapie - auch mit Opioiden - bewirken könnten.

Von den Patienten selbst berichtete Schmerzintensität, das Ausmaß des „Funktionierens“ möglichst normaler Tagesabläufe und die Gesamtzufriedenheit des Betroffenen sollten zusammengefasst werden, betonte der deutsche Experte. Dazu seien auch die Bewertungen von Pflegepersonal und Ärzten einzubeziehen.

Steegers schlug allerdings nach einer europaweiten Standardisierung eines solchen Messsystems für die Schmerzproblematik von Spitalspatienten eine jährliche große Kampagne vor: „Eine Woche lang sollte in den Spitälern generell eine solche standardisierte Schmerzmessung bei Kranken nach chirurgischen Eingriffen vorgenommen werden. In dieser Woche könnte man auch bei allen sechs Monate zuvor operierten Patienten telefonisch nachfragen, ob sie seither weiterhin Schmerzen haben.“




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