Letztes Update am Do, 08.06.2017 11:48

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Pflege: Heimbetreiber fordern politische Maßnahmen zur Verbesserung



Wien (APA) - Pflegeheimbetreiber fordern politische Maßnahmen zur Verbesserung der Situation in der Betreuung älterer Menschen. „Die Zeit drängt“, sagte Markus Mattersberger, Präsident des Bundesverbandes der Alten- und Pflegeheime Österreichs, am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Vorstellen kann er sich etwa eine parlamentarische Enquete. Auch eine Deklarierung der Parteien im Wahlkampf sei gefragt.

Wie auch andere Organisationen beklagt der Verband die unterschiedlichen Standards bei der Pflege in den Bundesländern. „Der Bund muss sich mit dem Thema beschäftigen. Wir fordern einen Dialog“, meinte Mattersberger. Auch die Finanzierung des Pflegebereichs sei verglichen mit anderen Ländern „relativ bescheiden“. In einem der reichsten Länder der Welt hätten sich ältere Menschen angemessene Betreuung verdient.

Der Bundesverband erwartet sich, die Mindestanforderungen an die erwartete Leistung von Alten- und Pflegeheimen klar zu definieren. Der Begriff „angemessene Pflege“ müsse zudem in den Landesgesetzen und Verordnungen klar definiert werden, forderte Martin König, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes, der sich kurz Lebenswelt Heim nennt. Dies bedeute, „bestmöglich auf die individuellen Erfordernisse der Bewohner einzugehen.

Auch bei der Personalausstattung erwartet sich der Verband bessere Rahmenbedingungen - nicht nur bei der Zahl der Pflegekräfte, sondern auch bei deren Qualifikation, wie Vizepräsident Josef Berghofer sagte. Zudem müsse die ärztliche Versorgung, die durch Pensionierungen und Engpässe in manchen Regionen bedroht ist, gewährleistet sein. Nicht zuletzt fordert Lebenswelt Heim eine bessere Abstimmung zwischen den Kontrollbehörden für Heime.

Die Forderung der Heimbetreiber ist klar an das Parlament gerichtet, dass etwa - wie jüngst im Hospiz- und Palliativbereich - eine Enquetekommission zum Thema einrichten könnte. Dabei sei auch eine engere Verknüpfung des Pflege-Themas mit dem Bereich der 24-Stunden-Betreuung gefragt, meinte der Soziologe Franz Kolland. Im Zuge des anlaufenden Wahlkampfes gebe es auch eine gewisse „Notwendigkeit, sich zu outen“, wie Verbandspräsident Mattersberger findet.

Indes wurde eine neue Studie des Wifo zum künftigen Finanzierungsaufwand für die Pflege bekannt. Wie die „Presse“ (Donnerstag-Ausgabe) berichtete, werden die Ausgaben für Pflegegeld und für die von Ländern und Gemeinden finanzierten Pflegedienste in den nächsten zehn Jahren drastisch steigen. Um diese Mehrkosten zu finanzieren, erwägen die Studienautoren eine Wiedereinführung von Erbschafts- und Schenkungssteuer.




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