Letztes Update am Do, 08.06.2017 12:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gsellmanns Weltmaschine wird 60: Kunst-Maschine in Paris gewürdigt



Edelsbach/Paris (APA) - Die „Weltmaschine“ von Franz Gsellmann im oststeirischen Edelsbach stellt nichts her und ist keine Arbeitshilfe. Dennoch wird das bunte technische Gebilde aus tausenden beweglichen Teilen jährlich von rund 10.000 Menschen bestaunt. In Paris werden Besucher einer Kunstausstellung über die „Machine du monde“ informiert, während in Edelsbach Vorbereitungen zum 60. Geburtstag des Artefakts anlaufen.

Franz Gsellmann (1910 bis 1981) aus Kaag bei Edelsbach in der Oststeiermark wollte eigentlich Elektriker werden, sollte aber auf Wunsch seines Vaters den landwirtschaftlichen Betrieb übernehmen. Mit 48 Jahren wurde der Sohn eines Kleinbauern zu einem Maschinen-Bauer. Der Landwirt aus dem steirischen Bezirk Feldbach hatte im Jahr 1958 beim Anblick des Atomiums in Brüssel eine Idee geboren, die ihn in den kommenden 23 Jahren seines Lebens nicht mehr losließ. In seiner Werkstätte bastelte er seither an einer Maschine, die nichts außer Geräusche und Licht und Staunen und Lächeln in den Gesichtern ihrer Betrachter produziert.

Es dauerte mehrere Jahre, bis Gsellmann senior die ersten Teile seiner Maschine ohne offensichtlichen Nutzen auch nur seinen engsten Angehörigen präsentierte, schilderte sein Enkel Franz Gsellmann am Donnerstag in Edelsbach. Im Laufe der Jahre wurde sie zu einem rund vier Meter langen, zwei Meter breiten und vier Meter hohem Konglomerat aus tausenden Teilen ausgebaut, das durch rund 25 kleine Elektromotoren in leichte Bewegungen versetzt wird und vor sich hin schnurrt, tickt, klingelt und pfeift. In den 1970er-Jahren war sie so weit gediehen, dass sie auch Besuchern gezeigt wurde.

Die Teile hat Gsellmann auf Flohmärkten und im Sperrmüll gefunden und so zusammengebaut, wie er es sich ausgedacht hatte. Er selbst hat es vermieden, seinem Werk einen Namen zu geben, als Künstler habe er sich auch nicht gefühlt. „Es existiert dazu kein einziger Plan, keine Skizze, es hat sich alles im Kopf abgespielt und sollte einfach umgesetzt werden. Er hat daran bis wenige Monate vor seinem Tod gearbeitet“, wie sein Enkel und Erbe der Weltmaschine, Franz Gsellmann IV., am Donnerstag bei einem Pressegespräch vor der „Weltmaschine“ in Edelsbach erzählte.

Im Vorjahr wurde der „Machine du monde de Franz Gsellmann“ eine Ausstellung im Brüsseler Atomium sowie der Centrale for Contemporary Art gewidmet. In diesem Jahr geht die Ausstellung weiter nach Paris - ins Centre Wallonie Bruxelles, im nächsten Jahr möglicherweise auch noch nach Japan. „Wir zeigen ein Video der eingeschalteten Maschine auf einer riesigen Plexiglaswand, denn die Maschine selbst geben wir nicht her. Die gibt es nur bei uns in Edelsbach“, sagte Gsellmann Junior. Die Ausstellung „BXL Universel“ mit dem Video der Maschine samt kleiner Dokumentation ist in Paris vom 14. Juni bis zum 3. September zu sehen.

Zum 60. „Geburtstag der „Weltmaschine“ hat sich der Erbe auch einiges vorgenommen: Für die Besucher soll die Zufahrt zum Hof erleichtert und ein größerer Parkplatz geschaffen werden. Das Gebäude, in dem das Gebilde steht, soll renoviert werden und mit Unterstützung des Steiermark Tourismus werde es einen neuen Webauftritt geben. „Innovation, Leidenschaft, Lebensfreude, Humor: Für mich stellt Gsellmann mit seiner Weltmaschine alles dar, was die Steiermark ausmacht“, sagte der steirische Tourismus-Chef Erich Neuhold. Ein Festakt zum Jubiläum ist für den 1. Juli 2018 geplant.

(S E R V I C E - Gsellmanns Weltmaschine, Kaag 12, 8332 Edelsbach bei Feldbach, online: http://www.weltmaschine.at, tägl. außer Dienstag von 10.00 bis 17.00 Uhr, 4 Euro bzw. 2 Euro für Kinder)




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