Letztes Update am Do, 08.06.2017 11:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Italien sucht fieberhaft nach Lösung für Bankenkrise



Mailand/Rom (APA/Reuters) - Der Druck auf Italien zur Lösung der Bankenkrise steigt. Nach dem Notverkauf der spanischen Krisenbank Banco Popular fürchtet das Land offenbar drastische Maßnahmen der europäischen Bankenaufseher. Italienische Banken prüfen daher eine gemeinsame Finanzspritze für die beiden Kriseninstitute Popolare di Vicenza und Veneto Banca, wie mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen Reuters sagten.

Italien müsse bald eine Lösung finden, sagte ein Insider. „Spanien ist das Vorbild - eine Lösung binnen weniger Tage, innerhalb der EZB-Regeln und unter Beteiligung des gesamten Bankensektors.“ Die beiden angeschlagenen venezianischen Banken müssen insgesamt 1,2 Mrd. Euro an privaten Mitteln einsammeln, um grünes Licht der EU-Kommission für Staatshilfen zu erhalten.

Eine Abwicklung der beiden Kriseninstitute wäre deutlich teurer: Bei einem Zusammenbruch müssten die anderen Banken 11 Mrd. Euro zuschießen, um die Einlagen der Sparer abzusichern, wie zwei Insider sagten. Nach italienischem Recht sind Guthaben bis zu 100.000 Euro durch den Einlagensicherungsfonds der italienischen Banken geschützt. Ende 2016 lagen auf Spar- und Festgeldkonten der beiden venezianischen Institute 24 Mrd. Euro.

Die italienische Regierung versucht die Großbanken Intesa Sanpaolo und UniCredit zu überzeugen, sich an der Rettung zu beteiligen. Andere Geldhäuser würden dann dem Beispiel der Großbanken folgen, so die Hoffnung in Rom. Der Beitrag jedes einzelnen Instituts würde sich dem Plan zufolge nach der Höhe der jeweiligen Einlagen richten. UniCredit-Chef Jean Pierre Mustier spiele eine aktive Rolle und habe sowohl mit der Regierung in Rom als auch mit EU-Behörden Gespräche geführt, sagte ein Insider.

Der von Banken und Versicherern getragene Rettungsfonds Atlante hatte im vergangenen Jahr bereits 3,4 Mrd. Euro in die beiden Kriseninstitute gepumpt. Frisches Geld wollten die Geldhäuser bisher nicht beisteuern. Entsprechende Forderungen wiesen sie wiederholt zurück.

Doch nun erhöhen die europäischen Bankenaufseher den Druck: Die Rettung der spanischen Banco Popular durch die Großbank Santander liefere Argumente, um nun auch in Italien einzugreifen, hatte ein EU-Vertreter nach der Rettungsaktion für die spanische Bank gesagt. Er verwies darauf, dass eine negative Marktreaktion ausgeblieben sei, obwohl die Aktionäre der Banco Popular ihren gesamten Einsatz verlieren und Anleiheinhaber bluten müssen.




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