Letztes Update am Do, 08.06.2017 13:27

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„Kopfkino pur“: Wien Modern will Bilderbogen zum Hören anbieten



Wien (APA) - Der Neuen Musik haftet imagetechnisch mitunter ein trüber Schwarz-weiß-Filter an - doch damit ist jetzt Schluss. Die heurige Ausgabe von Wien Modern wird im November „mit großer Freude Farbe bekennen“ und setzt auf „Kopfkino pur“. Unter den 90 Veranstaltungen, die 32 Tage lang an 26 Spielorten in Wien stattfinden, sind anlässlich der 30. Festivalausgabe auch einige ausgemachte Großprojekte.

„Bilder im Kopf“ lautet das Festivalmotto - „ein uraltes Thema in der Musik, das im 21. Jahrhundert eine vollkommen neue Dimension erreicht“, wie der künstlerische Leiter Bernhard Günther am heutigen Donnerstag betonte. Mit der „musique spectrale“ etwa, von französischen Komponisten wie Gerard Grisey und Tristan Murail als „glitzerndes Gegenmodell zur Nachkriegsavantgarde“ begründet, sei ein „Feuerwerk an Farben in die Musik gekommen“. Neue Musik, die durch ihre direkte Sinnlichkeit und Bildhaftigkeit verführt? Das ist der Plan, der von 31. Oktober bis 1. Dezember enthusiastisch verfolgt wird.

So soll Peter Eötvös‘ „Chinese Opera“ das fabelhafte chinesische Opernspektakel ebenso bei geschlossenen Augen in den Kopf zaubern, wie Olga Neuwirths „Le encantadas...“ die exakt rekonstruierte akustische Situation eines Kirchenplatzes in Venedig via Vierkanal-Lautsprechermatrix. „Ein unglaubliches Vergnügen“, prophezeit Günther. Dem Thema „Bilder im Kopf“ haben sich auch die Nachwuchskomponisten der Wiener Musikuniversität gewidmet, deren Wettbewerbsgewinner beim Abschlusskonzert vorgestellt werden. Insgesamt werden im Festivalreigen rund 50 Ur- und Erstaufführungen zu Gehör gebracht.

Mit Symphonikern, RSO und mehreren Formationen der Musikuni bietet Wien Modern das größte Orchesterangebot aller Neuen-Musik-Festivals. Dies sei, neben experimentellen Formaten an ungewöhnlichen Orten - etwa das Wochenende mit radiofoner und elektroakustischer Musik am Dach der Technischen Universität Wien - auch die Hauptaufgabe, so Günther. Denn für Riesenprojekte wie Hans Werner Henzes Oratorium „Das Floß der Medusa“ mit Cornelius Meister und dem RSO, mit Sven-Eric Bechtolf, Matthias Goerne, Sarah Wegener, dem Schoenberg Chor und den Wiener Sängerknaben, braucht es auch finanziell jede Menge „vereinte Kräfte“.

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Es sind „herzensunvernunft-getragene Partnerschaften“, die das Festival ausmachen, betonte auch Konzerthaus-Chef und Wien-Modern-Präsident Matthias Naske, der Günther vor allem zu der frühen Fertigstellung des Programms gratulierte. „Wir haben 25.000 verkaufbare Tickets - dafür braucht man Zeit.“ Geschick in diesem Bereich hat Günther bei seinem Einstand im Vorjahr bereits bewiesen: 2016 stiegen die Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr von 180.000 auf 295.000 Euro und die Ticketerlöse von 49.000 auf 135.000 Euro, wie Wien-Modern-Vorstand und Musikvereinschef Thomas Angyan berichtete.

Das Budget von einer Million Euro im Vorjahr soll heuer erneut um 20 Prozent angehoben werden - das werde vor allem durch Kooperationen und weitere Verkaufssteigerungen möglich. Die Subvention seitens Bund und Stadt wurde nun auf drei Jahre festgeschrieben. Vom Bund erhält das Festival derzeit 120.000 Euro (eine Steigerung von 20 Prozent gegenüber 2016), ein Betrag der nun jährlich um 5.000 Euro steigen wird. Von der Stadt sind 650.000 Euro fixiert. 2015 hatte es eine einmalige Erhöhung auf 700.000 gegeben.

(S E R V I C E - www.wienmodern.at)




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