Letztes Update am Do, 08.06.2017 12:00

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


NÖ-Alt-LH Pröll Schirmherr für Masterplan für Ländlichen Raum



Wien/St. Pölten (APA) - Das Landwirtschafts- und Umweltministerium arbeitet im Rahmen eines Bürgerbeteiligungsprozesses schon seit einiger Zeit an einem Masterplan für den Ländlichen Raum. Es geht um Chancengerechtigkeit zwischen Stadt und Land. Unter mehreren Punkten ist ein Bremsen bzw. Stoppen der Abwanderung eines der Hauptziele. Die Ausarbeitung des Masterplans befindet sich nun auf der Zielgeraden.

Minister Andrä Rupprechter (ÖVP) hat am Donnerstag die Fertigstellung des Plans bis zur Mitte des Sommers - ein detailliertes Maßnahmenprogramm Anfang September - angekündigt. Das tat er vor Journalisten in Wien - flankiert vom neuen Masterplan-Schirmherr: Dem niederösterreichischen Altlandeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP). Beide Vertreter der Volkspartei betonten, dass der fertige Masterplan von künftigen Bundesregierungen nicht ignoriert werden könne.

Pröll genoss seinen ersten öffentlichen Auftritt seit seinem Rücktritt sichtlich, trat gewohnt wortgewaltig auf und schloss - wohl erwarteten Journalistenfragen vorauseilend - gleich aus, dass seine Schirmherrschaft für den Masterplan auf ein politisches Comeback hindeute. „Eines vorweg: Ich denke nicht daran, eine neue politische Karriere zu entwickeln“, sagte Pröll. Auch habe seine Schirmherrschaft nichts damit zu tun, dass die aufgelöste Dr. Erwin Pröll Stiftung eine Akademie für den ländlichen Raum geplant gehabt hatte, sagte Pröll später auf Nachfragen.

Rupprechter strich die Bedeutung der Bürgerbeteiligung hervor, um den Masterplan zu erstellen. 3.000 Menschen hätten sich bisher beteiligt. 2.000 Ideen seien gesammelt worden. Nun zeichnet sich ab, dass der Plan rund 20 Handlungsfelder haben wird. Als sich abzeichnende wichtige Punkte umriss der Minister am Donnerstag die Punkte Digitalisierung, Gesundheitsversorgung am Land und eine anvisierte Attraktivierung der ländlichen Regionen.

Österreich solle zu einem digitalen Vorreiter in Europa werden. Eine flächendeckende Umsetzung würde Standortnachteile des ländlichen Raums gegenüber Städten nämlich ausgeglichen, so Rupprechter. Es gehe um eine 5G-Versorgung und eine kostengünstige Breitband-Infrastruktur. Leerstehende Gebäude sollen mietkostenfrei für Shared Offices zur Verfügung gestellt werden, so der Minister zum Digital-Thema. Mit der Breitbandmilliarde sei man gut aufgestellt.

Pröll betonte die Bedeutung des ländlichen Raumes für die Republik Österreich - der 90 Prozent der Fläche und zwei Drittel der Bevölkerung umfasse. Als Hauptschwierigkeit sieht er die Abwanderung. „Selbstkritisch“ sprach Pröll davon, dass in den vergangenen Jahrzehnten oft versucht worden sei, städtische Strukturen in Dörfern aufzubauen: „Über weite Strecken wurde in der Gestaltung des ländlichen Raumes das menschliche Maß verloren. Man hat sich anstecken lassen von einer Technikeuphorie und Technikgläubigkeit - der Rechenstift hat menschliche Bedürfnisse verdrängt.“ Eine Politik für den Ländlichen Raum müsse nun Ungleichheiten ins Lot bringen. Der Ländliche Raum gehöre so gestaltet, „dass der Rechenstift neben den Menschen und den Grundwerten des Ländlichen Raumes gleichwertig Platz hat“, sagte der NÖ-Altlandeshauptmann. Kulturarbeit in Dörfern dürfe nicht vergessen werden. Kreativität gehöre genutzt, die könne man im Gegensatz zu Informationen nicht googeln.

Geldmittel können laut Rupprechter aus dem kommunalen Investitionspaket kommen, das für heuer und nächstes Jahr 175 Mio. Euro ausmacht.




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