Letztes Update am Do, 08.06.2017 18:34

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


In Türkei inhaftierter Fotoreporter Depardon darf Mutter sehen



Gaziantep (APA/AFP) - Der französische Fotoreporter Mathias Depardon, der seit einem Monat im Süden der Türkei inhaftiert ist, hat erstmals seine Mutter sehen dürfen. Daniele Van de Lanotte zeigte sich nach dem Treffen mit ihrem Sohn in einem Abschiebezentrum in Gaziantep am Donnerstag erleichtert.

Depardon war am 8. Mai von der Polizei wegen Recherchen festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, ohne Presseausweis gearbeitet zu haben und „Terrorpropaganda“ zu betreiben.

„Ich bin erleichtert, ihn gesehen zu haben. Es war ein wunderbares Geschenk“, sagte Van de Lanotte der Nachrichtenagentur AFP nach dem „sehr emotionalen“ Treffen. Ihm gehe es gut, und er habe viele Bücher, Zeitungen und Kleidung erhalten. Bei dem Treffen wurde sie vom französischen Vize-Konsul Christophe Hemmings und vom Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen, Christophe Deloire, begleitet.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte sich bei seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan für die Freilassung Depardons eingesetzt. Die türkischen Behörden hatten eigentlich kurz nach der Festnahme seine Ausweisung verfügt, doch sitzt er nun bereits einen Monat in Gewahrsam. Die Türkei sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, die Pressefreiheit einzuschränken und kritische Journalisten zu verfolgen.

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In den vergangenen Monaten wurden die ausländischen Reporter Olivier Bertrand und Gabriele del Grand ausgewiesen. Zudem ist der deutsch-türkische „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel seit nunmehr fast vier Monaten wegen „Terrorpropaganda“ und „Volksverhetzung“ in Haft. Ende April wurde zudem die deutsche Journalistin Mesale Tolu festgenommen. Die deutsche Bundesregierung setzt sich für ihre Freilassung ein.

Außenminister Mevlüt Cavusoglu warf bei einer Pressekonferenz mit seinem deutschen Kollegen Sigmar Gabriel am Montag europäischen Geheimdiensten vor, ihre Agenten als Journalisten in die Türkei zu schicken. Auch in der türkischen Presse stieß dies auf scharfe Kritik. „Journalisten Spionage vorzuwerfen ist eine der Charakteristika geschlossener Regime“, kritisierte der „Hürriyet“-Kolumnist Mehmet Y. Yilmiz.




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