Letztes Update am Do, 08.06.2017 19:01

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vormarsch auf IS-Hochburg Al-Raqqa: UNO in Sorge um Zivilisten



Raqqa (Rakka)/Mosul (Mossul) (APA/dpa/AFP) - Die Vereinten Nationen sind angesichts des Vormarsches auf die von den Dschihadisten gehaltene Stadt Al-Raqqa in Syrien zutiefst besorgt um die Sicherheit der Zivilisten in der Stadt. Durch Luftangriffe und Beschuss sei zuletzt verstärkt auch zivile Infrastruktur getroffen geworden, teilte die Sprecherin des UNO-Nothilfebüros OCHA, Linda Tom, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur mit.

Seit Beginn der Woche seien neun Menschen getötet worden. Daneben seien mehrere Schulgebäude, eine Bank, ein Museum und eine Moschee getroffen worden. Mehr als 95.000 Menschen hätten die Stadt bereits verlassen, sagte die OCHA-Sprecherin. Die Organisation geht davon aus, dass bis zu 160.000 Menschen in der Stadt humanitäre Hilfe benötigen.

Al-Raqqa ist die wichtigste verbliebene Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und gilt als die Hauptstadt der Jihadisten. Die Stadt wird seit 2014 von den Extremisten beherrscht. Am Dienstag begannen die von einer US-Koalition unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) mit dem Sturm auf die Stadt. Aus Militärkreisen hieß es, dass es schwere Kämpfe gebe und die Islamisten Tunnel in der Stadt angelegt hätten.

Menschenrechtsorganisationen warfen indes der Anti-IS-Koalition vor, mit ihrem Vorgehen bei ihrer Großoffensive zur Rückeroberung der nordirakischen Stadt Mosul die Zivilbevölkerung zu gefährden. Bombenangriffe in der dicht bevölkerten Altstadt von Mossul und der Einsatz von nicht präzisionsgelenkten Granaten stellten „außerordentliche Risiken für die Zivilisten“ dar, erklärte die Nahost-Direktorin von Human Rights Watch (HRW), Lamah Fakih, in dem Appell vom Donnerstag.

In dem gemeinsamen Appell verwiesen die Nichtregierungsorganisationen unter anderem auf eine Reihe von Angriffen auf die IS-Miliz, bei denen Zivilisten getroffen worden seien. Die Organisationen riefen die irakische Armee und die US-geführte Koalition auf, alles zu tun, um die in Mosuls Altstadt eingeschlossenen Zivilisten zu schützen. Dort leben noch rund 200.000 Menschen.

Die US-Armee und das Pentagon haben bereits mehrfach zivile Opfer bei Einsätzen der Anti-IS-Koalition in Syrien und im Irak eingeräumt. Nach eigenen Angaben ist die Koalition für mehr als 450 zivile Todesopfer seit Beginn der Einsätze vor knapp drei Jahren verantwortlich, davon allein 105 bei einem Luftangriff in Mossul am 17. März.

Das in London ansässige Recherchenetzwerk Airwars, das Einsätze mit zivilen Opfern in Syrien und im Irak untersucht, gibt die Zahl der zivilen Opfer durch Einsätze der US-geführten Koalition hingegen mit mehr als 3600 an.




Kommentieren