Letztes Update am Fr, 09.06.2017 05:19

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


UK-Wahl - Theresa May muss um absolute Mehrheit bangen



London (APA/Reuters/dpa) - Nach den vorgezogenen Parlamentswahlen in Großbritannien muss Premierministerin Theresa May um die absolute Mehrheit ihrer Konservativen Partei bangen. Nach Hochrechnungen von der Nacht auf Freitag könnte ein Unterhaus ohne Partei mit absoluter Mehrheit („hung parliament“) das Resultat sein.

Der vermutliche Wahlausgang gilt als schwere Schlappe für May. Die Regierungschefin wollte mit der vorgezogenen Neuwahl die absolute Mehrheit der Konservativen im Unterhaus eigentlich ausbauen und sich so Rückendeckung für die Brexit-Verhandlungen geben lassen. Bisher hatten die Tories im Unterhaus 330 Mandate.

Dementsprechend forderte Labour-Chef Jeremy Corbyn May in der Wahlnacht zum Gehen auf. Sie sollte Platz für eine Labour-Regierung zu machen. May habe mit ihren Konservativen Sitze, Stimmen, Unterstützung und Vertrauen verloren, sagte Corbyn in seinem Wahlkreis Islington.

Die Premierministerin unterstrich indes die Bereitschaft der Konservativen, die Regierung weiterzuführen. Das Land brauche nun eine „Phase der Stabilität“, sagte sie nach der Verkündung des Wahlergebnisses in ihrem Wahlkreis Maidenhead. Die Konservative Partei werde voraussichtlich als stärkste Kraft aus der Wahl hervorgehen. „Es obliegt uns, für diese Stabilität zu sorgen“, sagte May in der Nacht auf Freitag.

Nach Auszählung von mehr als 500 der 650 Wahlkreise führten die Konservativen gegen 05.15 Uhr MESZ erstmals knapp vor Labour. Corbyns Partei konnte mehrere Zugewinne verbuchen - etwa mit Canterbury, einem Wahlkreis, der seit 1918 ununterbrochen konservativ gewesen war. Eine Schlappe musste dagegen die Scottish National Party (SNP) hinnehmen, die nach den Prognosen mit einem Verlust von über einem Drittel ihrer Sitze rechnen muss. Die Liberaldemokraten dürften dagegen nach ihrem Zusammenbruch 2015 wieder leicht zugelegt haben.

Ein „hung parliament“ gilt in der britischen politischen Tradition als nicht wünschenswert. Zuletzt war dies nach der Wahl 2010 der Fall. Damals bildeten die Konservativen mit den Liberaldemokraten eine Regierungskoalition - eine Premiere in der jüngeren Geschichte Großbritanniens.

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