Letztes Update am Fr, 09.06.2017 08:25

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ein „bunter Hund“: Biologe und Naturschützer Antal Festetics wird 80



Wien (APA) - Legendär waren seine TV-Auftritte hoch zu Ross, mit Wollschweinen suhlend, als Yeti verkleidet oder aus dem Mistkübel heraus Waschbären beobachtend - so wurde Antal Festetics einem breiten Publikum bekannt. Der österreichische Biologe, der am 12. Juni 80 Jahre alt wird, war aber auch Naturschützer der ersten Stunde, wenn auch aus der Not heraus, sieht er doch die Vielfalt vom Menschen bedroht.

Festetics versteht sich selbst als „bunter Hund“: „Genauer gesagt bin ich ein burgenländisches Bastardl mit Vorfahren aus Kroatien, Preußen, Ungarn, Salzburg, Steiermark, Polen und vor allem Burgenland“, erklärt er seine Herkunft. Geboren wurde Festetics am 12. Juni 1937 in Budapest. Seine Familie gehörte zum Hochadel der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie und wurde von den kommunistischen Machthabern in Ungarn als „Klassenfeind“ gesehen und zu Zwangsarbeit verurteilt - auch der jugendliche Antal musste im Arbeitslager in Ostungarn in der Landwirtschaft arbeiten. Erst im Zuge des Ungarischen Volksaufstandes Anfang November 1956 gelang es dem 19-Jährigen nach Wien zu kommen.

Sein Interesse an Biologie und die Passion zur Verhaltensforschung an Tieren sowie am Menschen entdeckte Festetics bereits als Kind: Als Neunjähriger wurde er zum jüngsten „Auswärtigen Mitarbeiter“ des Ungarischen Ornithologischen Instituts ernannt. Als Schüler war Schweinehüten seine liebste Ferienbeschäftigung, weil nach seinen eigenen Worten „Schweine so intelligent sind, dass sie sich überhaupt nicht lenken lassen und ein Sauhüter viel Zeit für Beobachtungen in der Natur hat“. So studierte Festetics Biologie und wurde 1965 an der Universität Wien promoviert, wo er am Institut für Zoologie eine Assistentenstelle erhielt.

1972 folgte der langjährige Mitarbeiter von Konrad Lorenz dem Ruf an die Universität Göttingen, die ihn zum Direktor des Wildbiologie-Institutes machte. Ab 1981 war Festetics auch Honorarprofessor an der Universität Wien. 2005 emeritierte er in Göttingen, hielt aber weiterhin Lehrveranstaltungen ab.

Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit folgte Festetics auch stets seiner zweiten Berufung: dem Naturschutz. Seinem Lehrer Konrad Lorenz galt er bereits als sein „am stärksten naturverbundener Schüler“. Festetics gründete etwa den WWF-Österreich (1963), damals zur Rettung der letzten Pusztaflächen im burgenländischen Seewinkel, setzte sich gegen das Kraftwerk Hainburg und für den Nationalpark Donauauen ein (1984) und war maßgeblich an der Gründung des Zweistaaten-Nationalparks Neusiedler See (1988) beteiligt. Zudem initiierte er verschiedene Wiederansiedlungs-Projekte, etwa des Bibers in Niederösterreich, des Luchses in der Steiermark oder des Wanderfalken in Norddeutschland.

Für seine Leistungen in Wissenschaft und Naturschutz wurde Festetics mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, u.a. mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse sowie Großen Goldenen Ehrenzeichen des Burgenlandes, der Steiermark und der Stadt Wien, dem Internationalen Naturschutz-Orden „Goldene Arche“ und dem Österreichischen Staatspreis für Umweltschutz.

Einem breiten Publikum wurde er durch seine populärwissenschaftlichen Filme und Dokumentationen bekannt, die sich zumeist mit tierischem und menschlichem Verhalten, mit Lebensräumen und Kulturen beschäftigen. Zu seinen bekanntesten Produktionen zählen die Dokumentationen und Serien über die Donau, den Neusiedler See und die Puszta, die französische Camargue sowie die Serie „Wildtiere und wir“, in der er Naturwissenschaft mit kulturhistorischen Bezügen verband. Im Jahr 2000 erschien sein Buch „Zum Sehen geboren - Das Jahrhundertwerk des Konrad Lorenz“, 2010 die Festschrift zu seinem 70. Geburtstag, in der sich Wissenschafter Gedanken zum Thema „Was ist Leben? - Entstehung, Erforschung, Erhaltung“ machen.

„Ich bin Biologe aus Neigung und Naturschützer aus Not“, sagt Festetics selbst von sich. Ihn begeistert die „evolutive Vielfalt von Gestalten und Verhaltensweisen“, möglicherweise mit ein Grund für seine regelmäßigen Besuche des Opernballs, mit dessen psychohygienischer Funktion er sich auch wissenschaftspublizistisch beschäftigte und zu dem er gerne - offenbar wichtig für die Verhaltensforschung - einen Feldstecher mitnimmt. Festetics ist ohnehin der Meinung, es sei ein Irrtum zu glauben, „dass Naturschützer stets mit saurer Miene den Weltuntergang beschwören müssen“ - und will den Humor nicht verlieren.

(AVISO - Bilder von Antal Festetics sind im AOM abrufbar)




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