Letztes Update am Fr, 09.06.2017 10:25

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Antal Festetics: Naturschützer müssen auch lachen können



Wien (APA) - Der Zoologe und Naturschützer Antal Festetics ist von früher Kindheit an eng mit der Natur verbunden und wird auch seinen Geburtstag im Feld verbringen, wie er im Gespräch mit der APA erklärte. Dass man nicht nur todernst die Natur schützen und Wissenschaft vermitteln muss, hat Festetics oftmals bewiesen und ist ihm auch wichtig: „Naturschützer müssen auch lachen können.“

Frage: Wie werden sie ihren 80. Geburtstag verbringen?

Festetics: Im Feld natürlich. Es gibt zwei Leute, die ihren Geburtstag verschieben. Das ist die Königin von England und ich - beide aus klimatischen Gründen. Die Queen will nicht im Frühling ihren Geburtstag feiern, weil da regnet es. Bei mir ist es umgekehrt: Am 12. Juni ist das Wetter viel zu schön, dass ich mich da feiern lasse, daher haben wir die Feiern vorverlegt.

Frage: Was konkret machen Sie dann am 12. Juni?

Festetics: Mit dem Fernglas draußen sein, wahrscheinlich Brutvögel im Nationalpark Harz beobachten.

Frage: Dort haben Sie den Luchs wieder angesiedelt, ebenso wie in der Steiermark, oder den Biber in Niederösterreich, Sie haben Nationalparks initiiert und geholfen Kraftwerke zu verhindern. Worauf sind Sie rückblickend stolz?

Festetics: Ach, stolz, das ist so eigenartig...

Frage: Anders gefragt, was freut Sie, wenn Sie zurückblicken?

Festetics: Wir haben schon große Erfolge gehabt, die Wende war 1970, das „Europäische Naturschutzjahr“. Vorher gab es keine Grünen, keine Umweltministerien, keine Nationalparks. Es ist schon eine große Freude, dass wir etwa den Zwei-Staaten-Nationalpark am Neusiedler See zwischen Österreich und Ungarn ausgehandelt haben, dass in der Hainburger Au, wo wir uns prügeln lassen haben, jetzt kein Kraftwerk steht, sondern ein Nationalpark.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Die Freude ist vor allem, dass wir eine kritische Jugend herangezogen haben, die alles hinterfragt. Das ist schon das Wesen der Universität: Glaube nichts, traue nicht einmal einem Professor, schon gar nicht über 80.

Frage: Was bleibt noch zu tun?

Festetics: Wahnsinnig viel. In Österreich wäre mein Herzensanliegen, dass endlich ein bundeseinheitliches Tierschutz- und Naturschutzgesetz kommt, es geht doch nicht, dass diese winzigkleinen Bundesländer alle unterschiedliche Gesetze haben. Tierleid ist unteilbar.

Frage: Sie haben es einmal als Irrtum bezeichnet, dass Naturschützer stets mit saurer Miene den Weltuntergang beschwören müssen. Haben Sie deshalb immer wissenschaftliche Inhalte humorvoll und mit Augenzwinkern vermittelt, etwa gemeinsam mit Schweinen im Gatsch oder als Yeti verkleidet?

Festetics: Die meisten Naturschützer sind ja Miesepeter und wollen permanent jammern. Das Gejammer ist ja schon hauptberuflich. Man muss positiv denken können, Naturschützer müssen auch lachen können. Ich habe ja das unverschämte Glück, dass Beruf und Berufung bei mir in Personalunion ist. Es gibt Tage, wo ich mich selbst beneide.




Kommentieren