Letztes Update am Fr, 09.06.2017 08:46

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kulturgutbericht 2016 - Spektakuläre Fälle von Fälschungen aufgedeckt



Wien (APA) - Es war nicht die Quantität, sondern die Qualität der Fälle: Der Kulturgutbericht des Bundeskriminalamtes (BK) für das Jahr 2016 steht vor allem im Zeichen spektakulärer Fälschungsfälle, welche die Ermittler aufgedeckt haben. So wurden 80 gefälschte Gemälde international bekannter Künstler, vor allem von Pablo Picasso, Emil Nolde und Edvard Munch, sichergestellt.

Der Fall flog durch Ermittlungen des Stadtpolizeikommandos Schwechat, der Staatsanwaltschaft Korneuburg und des BK auf. Die Kriminalisten forschten eine österreichisch-slowenische Tätergruppe aus, welche die Gemälde von den international renommierten Künstlern zum Kauf angeboten hatte.

Darüber hinaus klärte das Landeskriminalamt Niederösterreich einen schweren gewerbsmäßigen Betrug mit mehr als 20 Fälschungen des Kärntner Malers Hans Staudacher auf. In Zusammenhang mit diesem Fall stehen seit Donnerstag zwei Halbbrüder in Linz vor Gericht.

Generell registrierte das BK für 2016 kaum Ausreißer bei der Zahl der Anzeigen wegen Kulturgutkriminalität. Insgesamt wurden 175 Fälle von Kunstdiebstahl bei der Polizei angezeigt - laut BK eine konstante Zahl. Die meisten davon gab es in Wien, betroffen waren vor allem Wohnungen und Häuser sowie Kirchen. Aber auch im Kunsthandel und im Rahmen von Kunstmessen kommt es immer wieder zu Diebstählen.

Gestohlen wird grundsätzlich jede Art von Kulturgut, am meisten jedoch Gemälde, Statuen und Musikinstrumente. Gemälde werden weltweit am häufigsten gestohlen, was in ihrer einfachen Transportmöglichkeit und in ihrer guten Absetzbarkeit liegt. Aus Kirchen werden vor allem Statuen, Leuchter und liturgisches Gerät, wie Kelche, Monstranzen oder Ziborien gestohlen.

Auch an der Operation „Pandora“, die sich unter der Ägide der europäischen Polizeiagentur Europol europaweit gegen den illegalen Kunsthandel richtete, beteiligte sich Österreich ebenfalls mit dem Zoll, den Landespolizeidirektionen, den Landeskriminalämtern und dem Kulturgutreferat im BK. Hierzulande wurden rund 1.700 Kraftfahrzeuge und 420 Kunstgegenstände überprüft, am Flughafen Wien-Schwechat wurden mehr als 1.700 Gepäckstücke kontrolliert.

Zentralstelle zur Bekämpfung der Kulturgutkriminalität ist das entsprechende Referat im BK. Es bearbeitet deliktsunabhängig sämtliche Fälle im Kulturgutbereich und ist Anlaufstelle für Fragen zu diesem Thema innerhalb der österreichischen Polizei, aber auch für entsprechende Kontakte zu Museen, Organisationen, Künstlern und so weiter zuständig. Die österreichischen Kunstdiebstähle werden ebenso wie Fahndungen nach Schmuck auf der Website des BK veröffentlicht, wo derzeit mehr als 1.000 Fahndungen in der Kategorie „Kunst- und Wertgegenstände“ zu finden sind.




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