Letztes Update am Fr, 09.06.2017 08:52

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Trio Maisky im Grazer Musikverein: Familiäre Leidenschaft



Graz (APA) - Das Trio Maisky hat am Donnerstag in einem Konzert des Grazer Musikvereins einen äußerst emotionalen Abend mit russischer Musik gestaltet. Neben den eher romantischen Klaviertrios von Rachmaninow und Tschaikowsky stand auch Schostakowitschs zweites Trio auf dem Programm, das einen Mix aus greller Ironie und Schmerz bot.

Mischa Maisky gehört zweifellos zu den besten Cellisten, und er ist naturgemäß das Herz - und die Hand - des Trios. Seine Kinder Lily (Klavier) und Sascha (Violine) können technisch zwar noch nicht ganz mithalten, an feuriger Hingabe können sie es mit dem Vater schon jetzt aufnehmen. Im März war das Trio bereits in Graz zu hören, als es zusammen mit dem Grazer Philharmonischen Orchester Beethovens Tripelkonzert unter der Leitung von Dirk Kaftan spielte.

Den Beginn machte diesmal Rachmaninows Trio elegiaque Nr. 1, ein Werk voller Melancholie und düsteren Schatten, das hier allerdings voll warm schmelzender Traurigkeit erklang, die eher einlullte als verstörte. Das Trio präsentierte sich harmonisch und perfekt aufeinander eingespielt.

Es folgte Schostakowitschs Trio Nr. 2 in e-Moll, ein scharfkantiges Werk, das gleichermaßen tiefe Trauer, grelle Ironie und unterschwellige Drohung beinhaltet. Mischa Maisky erwies sich hier als meisterhafter Gestalter auf dem Cello, der die Richtung vorgab. Lily Maisky bearbeitete im zweiten Satz das Klavier, als gelte es, die Töne förmlich herauszuschlagen, was aber durchaus effektvoll war. An einigen Stellen fehlte es etwas an Präzision, wodurch die einprägsame Härte dieses Werkes nicht ganz zur Geltung kam, aber an Leidenschaft fehlte es an keiner Stelle. Der letzte Teil, ein grotesker, verzweifelter Tanz, mündete in ein furioses Finale, bei dem keiner der drei Musiker etwas schuldig blieb.

Eines der schönsten Klaviertrios, das je geschrieben wurde, ist sicher Tschaikowskys Trio in a-Moll, gewidmet dem Andenken an den Pianisten und Dirigenten Nikolai Rubinstein. Das Trio Maisky begann dieses Werk eher erdig-zupackend, bevor sich ein tiefer Schmerz mit so einigen Schluchzern ausbreitete. Insgesamt gelang eine sehr berührende Interpretation, deren Nachwirkung die Musiker - trotz Begeisterung des Publikums - auch nicht durch eine Zugabe beeinträchtigen wollten.




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