Letztes Update am Fr, 09.06.2017 10:55

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


UK-Wahl - EU-Abgeordnete sehen krachendes Eigentor für May



London/Brüssel (APA) - Zahlreiche EU-Abgeordnete sehen in dem Wahlergebnis in Großbritannien ein „krachendes Eigentor“ für die britische Premierministerin Theresa May. Der ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament Othmar Karas erklärte, das Ergebnis schwäche die Verhandlungspolitik Londons gegenüber der EU beim Brexit. Der SPÖ-Europamandatar Josef Weidenholzer sagte, die Briten hätten die Arroganz abgewählt.

Die grüne EU-Parlamentarierin Ulrike Lunacek meinte, die Niederlage Mays sollte als Chance für die Brexit-Verhandlungen genützt werden. So wie ihr Vorgänger David Cameron mit dem Brexit gepokert habe, so habe auch May mit dieser von ihr ausgerufenen Neuwahl gepokert. May habe im Cameron-Stil verloren.

Karas erklärte, May habe die Rechnung für ihre Lügenpolitik rund um den Brexit präsentiert bekommen. Wenn die britische Premierministerin und ihr Außenminister Boris Johnson nicht mit Cameron als Totengräber Großbritanniens in die Geschichte eingehen wollen, müssten sie jetzt eine Mehrheit für ernsthafte Verhandlungen mit der EU über den Brexit suchen.

Weidenholzer sagte, May sei für die mutwillig vom Zaun gebrochene Neuwahl und ihre Drohung, Menschenrechte einzuschränken, bestraft worden. Erfreut zeigte er sich über den Erfolg der Labour-Partei, mit denen alle Erwartungen übertroffen wurden. Labour müsse sich bei den Brexit-Verhandlungen jetzt verstärkt einbringen.

EVP-Fraktionschef Manfred Weber beklagte das „Chaos“ in London vor dem Beginn der Brexit-Verhandlungen. „May wollte Stabilität erreichen und hat Chaos gebracht“, schrieb der deutsche Christsoziale auf Twitter zur Rolle der britischen Regierungschefin Theresa May. Die Europäische Union sei vor den Verhandlungen über den EU-Austritt geeint, doch Großbritannien sei tief gespalten, erklärte Weber. Die Zeit für den Brexit laufe. „Deshalb braucht UK schnell eine handlungsfähige Regierung.“

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Gruppe im EU-Parlament Herbert Reul sprach von einem „krachenden Eigentor“ für May. Unter den jetzigen Umständen habe die britische Regierung kaum ein Mandat, die Verhandlungen über den Austritt aus der EU zu führen. Der Start der Brexit-Verhandlungen am 19. Juni werde nicht zu halten sein.

~ WEB http://www.europarl.europa.eu/portal/de ~ APA169 2017-06-09/10:50




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