Letztes Update am Fr, 09.06.2017 12:58

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nicaragua: Befreiungstheologe und Ex-Minister D‘Escoto gestorben



Vatikanstadt/Managua (APA) - Der prominente nicaraguanische Befreiungstheologe, Priester und Politiker Miguel d‘Escoto Brockmann ist am Donnerstag (Ortszeit) im Alter von 84 Jahren nach langer schwerer Krankheit in Managua gestorben. Das meldete Kathpress am Freitag unter Berufung auf die vatikannahe Blogseite „il Sismographo“.

D‘Escoto wurde am 5. Februar 1933 in Los Angeles geboren. Er absolvierte die Schulzeit in den USA und trat dort 1953 in die Ordensgemeinschaft der Maryknoll Missionary Society ein. 1961 wurde er zum Priester geweiht. Bis 1979 war er in verschiedenen Institutionen der katholischen Kirche in den USA, in Genf (Weltkirchenrat) sowie in lateinamerikanischen Staaten tätig, wobei er sich als Vertreter der Befreiungstheologie profilierte.

Nach dem Sturz der Diktatur von Anastasio Somoza wurde d‘Escoto 1979 Außenminister der marxistisch-sozialistischen Sandinisten in Nicaragua. Als er sich weigerte, seinen Regierungsposten aufzugeben, wurde er 1985 vom Vatikan vom Priesteramt suspendiert. Er blieb bis 1990 Außenminister.

In seiner Amtszeit entwickelte sich Miguel d‘Escoto Brockmann zu einem der schärfsten internationalen Kritiker der US-Außenpolitik in Lateinamerika. Auch die Position des Vatikan griff er wiederholt an. Auf der internationalen Bühne setzte er sich für Multilateralismus und die Achtung des Völkerrechts ein.

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Die 1985 aufgrund der politischen Tätigkeit ausgesprochene Suspendierung d‘Escotos als katholischer Priester, die Papst Johannes Paul II. verfügt hatte, wurde 2014 durch Papst Franziskus aufgehoben. Die Aufhebung folgte auf ein Schreiben d‘Escotos, in dem er Franziskus bat, „vor seinem Tod nochmals die Heilige Messe zelebrieren“ zu können.

Für seine politische Arbeit erhielt d‘Escoto zahlreiche internationale Preise, darunter den „Thomas Merton Award für Frieden und soziale Gerechtigkeit“. 2008 wurde er für ein Jahr zum Präsidenten der 63. UN-Vollversammlung gewählt.




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