Letztes Update am Fr, 09.06.2017 13:25

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ehemann stellte junger Mutter „Videofalle“: Frau verurteilt



Wien (APA) - Eine junge Mutter ist am Freitag am Wiener Landesgericht für Strafsachen wegen versuchter Körperverletzung zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Sie hatte im Spätsommer 2016 wiederholt ihre fünf und drei Jahre alten Söhne geschlagen. Sie konnte dafür nur deshalb zur Verantwortung gezogen werden, weil ihr Mann heimlich eine „Videofalle“ installiert hatte, in die die 22-Jährige tappte.

Der Ehemann dürfte schon länger geahnt haben, dass seine Frau den Kindern gegenüber handgreiflich wurde. Das Jugendamt glaubte ihm allerdings nicht - dies vermutlich deshalb, weil seine Frau wiederholt ins Frauenhaus geflüchtet war. Der Mann soll gegen sie öfters gewalttätig geworden sein. Um zu beweisen, dass er mit seiner Vermutung recht hatte, brachte der Ehemann schließlich am Fernsehgerät eine winzige Kamera an, welche die Vorgänge in der Wohnung filmte, wenn an seinem Arbeitsplatz war.

Sein Verdacht bestätigte sich, wie nun im Grauen Haus zu sehen war, wo die Videomitschnitte abgespielt wurden. An drei Tagen schlug die 22-Jährige ihren Buben mit der flachen Hand ins Gesicht bzw. mit der TV-Fernbedienung auf den Unterschenkel. „Sobald sie den Raum betritt, sieht man, wie die Kinder schützend ihre Hand heben“, kommentierte Staatsanwältin Gabriele Müller-Dachler eine Szene.

Die Angeklagte war zu den aufgezeichneten Handgreiflichkeiten geständig und gab darüber hinaus gehend zu, den älteren Sohn schon im August ein oder zwei Mal geohrfeigt zu haben. „Einen Grund hat es eigentlich nicht gegeben. Ich hab‘ eine Depression gehabt. Ich war im Stress.“ Sie sei „böse zu den Kindern“ gewesen, räumte sie ein.

„Die schwerste Strafe hat sie schon bekommen. Die Kinder wurden ihr abgenommen“, berichtete Verteidigerin Barbara Steiner. Die Kleinen leben derzeit bei den Schwiegereltern der 22-Jährigen, die sich wiederum von ihrem Mann getrennt hat. Mit der über sie verhängten Strafe - per gerichtlicher Weise wurde der jungen Frau auch eine psychotherapeutische Behandlung auferlegt - war die junge Mutter einverstanden. Das Urteil ist rechtskräftig.




Kommentieren