Letztes Update am Fr, 09.06.2017 12:29

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Venezuelas Bischöfe sehen ihre Linie vom Papst bestärkt



Caracas/Vatikanstadt (APA) - Papst Franziskus ist nach den Worten der venezolanischen Bischöfe „bewegt von der Situation“ in ihrem Land. Das Kirchenoberhaupt habe dem Volk und der Kirche in Venezuela seine Unterstützung zugesichert, sagte der Vorsitzende der nationalen Bischofskonferenz, Erzbischof Diego Padron, laut Kathpress nach einer Begegnung mit Franziskus.

Zugleich erklärte er laut der italienischen katholischen Presseagentur SIR am Donnerstagabend, nach dem Scheitern der Dialogbemühungen in den vergangenen Monaten hätten die Bischöfe den Vatikan nicht um einen weiteren Vermittlungsversuch gebeten. „Das Volk will das Wort Dialog nicht hören“, so Padron wörtlich.

Venezuela stecke in einer „humanitären Krise“, sagte der Erzbischof. Er verwies auf einen Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten sowie die hohe Arbeitslosigkeit. Der politischen Führung unter Präsident Nicolas Maduro warf er vor, den Willen des Volkes nicht zu respektieren; die Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung sei ein Zeichen für einen Übergang von einer demokratischen Regierung zu einer offenen Diktatur, so der Vorsitzende der Bischöfe.

Padron war mit dem Präsidium der Bischofskonferenz und den beiden Kardinälen Venezuelas in den Vatikan gereist, um dem Papst die Lage in ihrem Land darzulegen. Unter anderem übergaben sie ihm eine Dokumentation über die rund 70 Demonstranten, die bei Kundgebungen gegen die Regierung seit Anfang April ums Leben kamen. Padron sprach von einer „außergewöhnlichen und alarmierenden Situation“. Die Repressionen würden „jeden Tag brutaler“.

Padron wies die Darstellung der Regierung zurück, es gebe keine Kluft zwischen Venezuelas Kirche und dem Papst. Die Bischofskonferenz habe „die volle Unterstützung“ von Franziskus und dem Heiligen Stuhl. Die Kirche werde Ziel von Angriffen der Regierung, weil sie eine „sehr ernstzunehmende Institution“ sei und sich nicht kompromittieren lasse.

Die Kirche sei nicht nur mit der Opposition im Gespräch, sondern auch mit Vertretern der Regierung; dies allerdings nur „sehr diskret“, da dies die betreffenden Politiker in Schwierigkeiten bringen könnte, so Padron. Er äußerte ferner die Erwartung, Papst Franziskus werde sich bei seiner Reise nach Kolumbien im September auch zu Venezuela äußern.




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