Letztes Update am Fr, 09.06.2017 12:46

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Betrugsprozess in Linz - „Gute Fälschungen“ laut Staudacher-Expertin



Linz (APA) - Am zweiten Tag im Betrugsprozess um 23 gefälschte Bilder des Malers Hans Staudacher im Landesgericht Linz waren am Freitag Geschädigte und Experten am Wort. Elisabeth Nowak-Thaller vom Kunstmuseum Lentos, die vor mehr als zwei Jahren maßgeblich an der Aufdeckung des Falls beteiligt war, sprach von „guten Fälschungen“.

„Die Bilder aus den 1980er Jahren sahen aber anders aus“ als jene, die der 67-jährige Hauptangeklagte als angebliche Originale des Kärntner Künstlers aus jener Zeit zum Kauf anbot, erklärte die Kunsthistorikerin. Sie war 2014 von einem Geschäftsmann, der drei Staudacher-Exponate angeboten bekommen hatte, kontaktiert worden. Diesem riet sie vom Erwerb ab, da sie „Zweifel an der Echtheit“ äußerte.

Auch ihr Kollege vom Lentos, Andreas Strohhammer, schloss sich dieser Einschätzung an. Er hatte ebenfalls jene drei Werke gesehen. „Vieles sprach dagegen, dass sie echt sind,“ erinnert er sich an sein „Bauchgefühl“. Wie die „Farben aufgesetzt wurden, oder der Pinselduktus, das hat nicht gepasst“, erläuterte er Richter Christoph Freudenthaler. Daher habe auch er dem Geschäftsmann geraten, „lieber vorsichtig zu sein“.

Dieser hatte bereits 2012 mehrere Staudacher-Bilder von dem Angeklagten erhalten, die er zum Teil weiterveräußerte. Bei jenen drei, von denen er zwei Jahre später die Einschätzung vom Lentos wünschte, erhielt er dann die Auskunft, es gebe „Bedenken“. Als Fälschungen habe er die Exponate aber „definitiv nicht bestätigt bekommen“. Dennoch nahm er von dem Ankauf Abstand. Derzeit ist der Zeuge im Besitz von acht möglichen Fälschungen. Sollte sich dies im Laufe des Prozesses bewahrheiten, werden jene Werke, wie von der Staatsanwaltschaft beantragt, eingezogen, damit sie nicht doch wieder in Umlauf kommen. Damit dürfte der Geschäftsmann 41.000 Euro in den Sand gesetzt haben, weshalb er sich als Privatbeteiligter dem Strafprozess angeschlossen hat.

Ein ehemaliger Bildhauer und sein 74-jähriger Halbbruder müssen sich seit Donnerstag wegen versuchten und vollendeten schweren gewerbsmäßigen Betrugs vor einem Schöffengericht verantworten. Das Duo bekannte sich nicht schuldig und stellte in Abrede, vorsätzlich zwischen 2001 und 2014 Fälschungen verkauft zu haben. Vielmehr glaubten die beiden laut eigenen Aussagen an die Echtheit der Werke. Allerdings gab der Zweitangeklagte zu, Herkunftsnachweise „verschleiert“ zu haben, um seinem Halbbruder zu helfen. Dieser befindet sich seit Jahren in massiven Geldnöten. Gläubiger sollten daher keinen Zugriff auf die Kunstwerke erhalten.

Am Montag wechselt die Verhandlung ins Lentos. Dort hängen die sichergestellten Exponate, der inzwischen 94-jährige Künstler wird sie begutachten. Ein Urteil hält Richter Freudenthaler an dem Tag für unwahrscheinlich.




Kommentieren