Letztes Update am Fr, 09.06.2017 13:10

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Familiäre Gewalt - Kroatische Kirche fordert Aufklärungskampagne



Zagreb (APA/KAP) - Familiäre Gewalt wird in Gesellschaft und Kirche Kroatiens nicht oft angesprochen, obwohl sie in den Familien sehr präsent ist, hat das Mitglied der Kroatischen Bischofskonferenz, Prof. Davor Derencinovic, in einem Interview für die Zagreber katholischen Wochenzeitung „Glas Koncila“ betont. Derencovic, der Strafrecht an der Universität Zagreb lehrt, setzt sich deshalb für eine Aufklärungskampagne ein.

„Die Gesellschaft kann und soll sich engagieren, weil die Stufe der Humanisierung und Zivilisierung einer Gesellschaft auch im Verhältnis zu den Schwächsten - und dazu gehören die Opfer der Familiengewalt - erkennbar ist“, so das Mitglied der Kommission „Iusititia et pax“. Ihnen solle man Schutz gewähren, nicht nur durch das Strafrecht, sondern auch dadurch, dass das Opfer in den Mittelpunkt gestellt werde. Weil in Kroatien noch immer die falsche Meinung verbreitet sei, dass „das Opfer irgendwie selbst dafür verantwortlich ist, was ihm angetan worden ist“, seien gezielte Kampagnen notwendig - wie Aufklärung der Menschen, die im System tätig sind, von der Polizei bis zur Staatsanwaltschaft und Richterschaft.

In der kroatischen Gesetzgebung ist Familiengewalt als Verstoß und als Straftat festgelegt. 2015 wurde Familiengewalt wieder ins Strafgesetz hineingenommen. Bis dahin wurde Familiengewalt als Verstoß geführt. Im Strafgesetz aus dem Jahr 2013 wurde die Straftat der Gewalt in der Familie sogar ausgelassen.

Die offiziellen statistischen Daten zeigten zwar keinen Zuwachs an Familiengewalt in Kroatien. Derencinovic warnte jedoch, dass zweifellos eine Kluft zwischen offiziellen Statistiken und Wirklichkeit bestehe. Laut Daten des Kroatischen Staatlichen Amtes für Statistik waren im Jahr 2011 etwa 17.000 Personen wegen des Verstoßes Familiengewalt angeklagt. 14.000 davon wurden schuldig gesprochen. Im Jahr 2015 waren es 13.000 Angeklagte wegen Familiengewalt, und 11.000 wurden schuldig gesprochen.

Familiengewalt sei in den letzten Jahren zwar zurückgegangen, jedoch müsse man im Auge behalten, dass das Verhältnis von gemeldeten und wirklich begangenen Taten 1:3 betrage, so der Strafrechtler.

Innerhalb der Sanktionen würden meist Geldstrafen ausgesprochen. Relativ selten komme es zu die Gefängnisstrafen. Beträchtlich sei die Zahl der bedingten Straferlässe, und jedem vierten Gewalttäter werde eine gerichtliche Auflage erteilt, wie zum Bespiel verpflichtende Behandlung von Sucht, psycho-soziale Behandlung sowie Verbot der Annäherung an das Opfer.




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