Letztes Update am Fr, 09.06.2017 13:28

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nowotny erwartet im Juli und September Debatte über EZB-Anleihekäufe



Wien/Frankfurt (APA/Reuters/dpa-AFX) - Die EZB wird nach Angaben des österreichischen Notenbankgouverneurs und EZB-Rats Ewald Nowotny voraussichtlich bald über die Zukunft ihrer billionenschweren Anleihenkäufe beraten. „Ich nehme an, dass wir sowohl im Juli wie dann im September bei den Policy Meetings über dieses Thema sprechen“, sagte Nowotny am Freitag in Wien.

Die Märkte erwarteten, dass die Käufe nach 2017 zurückfahren werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte auf ihrem Ratstreffen am Donnerstag in Tallinn einen ersten vorsichtigen Schritt in Richtung Kurswende gewagt. Sie strich in ihrem Ausblick die Option auf noch tiefere Schlüsselzinsen.

Nowotny unterstrich: „Es ist wichtig, Märkte auch entsprechend vorzubereiten auf die Maßnahmen.“

Experten gehen davon aus, dass die EZB den Börsen mehrere Monate Zeit geben wird, sich auf abschmelzende Anleihenkäufe einzustellen. Nach Einschätzung der Volkswirte der Großbank UBS werden die Währungshüter wahrscheinlich die Märkte im Juli auf eine Entscheidung im September vorbereiten, die Käufe ab Jänner 2018 über sechs bis neun Monate hinweg ausklingen zu lassen.

Derzeit erwerben die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Notenbanken der Euro-Länder Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro im Monat. Die im März 2015 gestarteten Käufe sollen noch bis mindestens Ende 2017 laufen und dann einen Gesamtumfang von 2,28 Billionen Euro erreichen. Mit den Transaktionen will die EZB die Inflation nachhaltig in Richtung ihres Ziels von knapp unter 2 Prozent hieven. In Deutschland sind die Käufe umstritten.

Sorgen macht Nowotny die zuletzt eher schwache Inflationsentwicklung im Währungsraum. „Das ist eine erhebliche Herausforderung für die Politik der EZB“, sagte er. Es bestehe das Risiko, dass die Inflationsraten noch geringer ausfallen. So könne ein steigender Euro inflationsdämpfend wirken. Die vor allem von der Ölpreisentwicklung angetriebene Teuerung hatte sich im Mai deutlich abgeschwächt. Aktuell rechnen EZB-Fachleute selbst für das Jahr 2019 nur mit einer Inflation von 1,6 Prozent.

Die ersten vorsichtigen verbalen Signale der EZB am Donnerstag für eine straffere Geldpolitik, waren bei den Börsianern erwartet worden. „Zinserhöhungen wird es aber schon deshalb erstmal nicht geben, weil EZB-Präsident Mario Draghi nochmals ausdrücklich klargestellt hat, dass zunächst die Anleihekäufe vollständig beendet sein müssen“, sagte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz.

~ WEB http://www.ecb.int

http://www.oenb.at/ ~ APA442 2017-06-09/15:23




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