Letztes Update am Sa, 10.06.2017 14:52

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Michael Groschek ist neuer SPD-Chef in Nordrhein-Westfalen



Duisburg (APA/dpa/AFP) - Einen Monat nach der verlorenen Landtagswahl hat die SPD im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen einen neuen Landesvorsitzenden gewählt. Nachfolger von Hannelore Kraft an der Spitze des mitgliederstärksten SPD-Landesverbands ist der scheidende Bauminister Michael Groschek. Bei einem außerordentlichen Parteitag in Duisburg erhielt er rund 86 Prozent der Stimmen.

353 der 411 abstimmenden Delegierten unterstützten Groschek, 43 waren gegen ihn , 15 enthielten sich. Eine Stimme war ungültig. „Mehr wäre auch gelogen gewesen“, kommentierte der 60-jährige Groschek sein Ergebnis. „Vielen Dank für so viel Ehrlichkeit.“

Groschek war von 2001 bis 2012 bereits Generalsekretär der Landes-SPD. Die noch amtierende NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze wurde - ebenfalls ohne Gegenkandidaten - mit nur rund 69 Prozent der Stimmen zur neuen Generalsekretärin gewählt.

Kraft war noch am Wahlabend des 14. Mai von allen Parteiämtern zurückgetreten, nachdem sie als Spitzenkandidatin mit nur 31,2 Prozent der Stimmen das schlechteste SPD-Ergebnis bei einer Landtagswahl in der früheren roten Hochburg eingefahren hatte. Die 55-Jährige, die nicht zum Parteitag nach Duisburg kam, war gut zehn Jahre lang Chefin der Landes-SPD.

Vor dem Parteitag hatte es viel Unmut der Basis über überhastete personelle Vorentscheidungen gegeben. Schon wenige Tage nach der verlorenen Landtagswahl hatte der Landesvorstand Groschek und Schulze eilig nominiert. Auch in der Landtagsfraktion waren schnell Pflöcke für den bisherigen Chef Norbert Römer (70) eingeschlagen worden. In einer ungewöhnlich ausgiebigen, engagierten Parteitagsaussprache forderten vor allem die Jusos grundlegende Änderungen und mehr Mitbestimmung der Basis.

Groschek entschuldigte sich im Namen der Parteispitze für die Niederlage bei der Landtagswahl. „Wir haben die Karre vor die Wand gefahren, weil wir uns zu sicher waren und nicht glaubten, dass Armin Laschet Hannelore Kraft besiegen kann.“

Als „Zeichen der Ermutigung“ wertete Bundesparteichef und Kanzlerkandidat Martin Schulz den Parteitag. Die Botschaft aus Duisburg sei: „Wir kämpfen für den 24. September - für den Wahlsieg bei der Bundestagswahl.“ Auf die kritischen Personaldiskussionen in der NRW-SPD und Fehleranalysen zur Landtagswahl ging er nicht ein.

Groschek ist in der Landes-SPD bestens vernetzt. Der frühere Zeitsoldat bei der Marine studierte Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaften und trat 1974 in die SPD ein. Von 2002 bis 2012 war der verheiratete Vater von zwei Kindern Generalsekretär der Landes-SPD. Er gehörte von 2009 bis 2012 dem Bundestag an und wurde anschließend NRW-Verkehrsminister in Krafts Kabinett.




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